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  • Kritik: Schwarze Satire über Waffenschieber

    «Essen müssen die Leute immer», predigte der Vater von Yuri Orlov (Nicolas Cage), als er in Brooklyn sein erstes Bortsch-Restaurant eröffnete. Lukrativer findet der Sohn des russischen Emigranten dagegen ein ganz anderes menschliches Grundbedürfnis: «Jeder zwölfte Mensch auf der Welt besitzt eine Waffe. Die Frage ist: Wie kann man die anderen elf auch noch ausstatten?», fragt Yuri gleich zu Beginn des Thrillers «Lord of War - Händler des Todes» in die Kamera.

    Dabei steht er bereits symbolträchtig auf einem Teppich aus leeren Patronenhülsen. Und so wird Yuri Orlov zum einflussreichen internationalen Waffenlieferanten für die Kriege dieser Welt. Am Donnerstag (16. Februar) läuft «Lord of War - Händler des Todes» von Regisseur Andrew Niccol in den deutschen Kinos an.

    Cage mimt den smarten Geschäftsmann mit perfekt sitzendem Anzug, lässig eine Zigarette rauchend, immer ganz kühl. Wenn er ein Geschäft wittert, ist es ihm egal, ob er mit Schurkenstaaten, grausamen Diktatoren oder abgehalfterten Sowjet-Militärs dealt. Hauptsache der Rubel rollt. Seine Beziehungen zu seinem Onkel in der Ukraine, einem früher hoch dekorierten Militärmann, eröffnen ihm nach dem Ende des Kalten Krieges die endlose Depots mit Kalaschnikows. Die enden im Tausch für Blutdiamanten in Afrika - unter anderem in den Händen des wahnsinnigen selbst ernannten Präsidenten von Liberia Andre Baptiste (Eamonn Walker) und seinem gleichermaßen verrückten Sohn Andre Jr. (Sammi Rotibi).

    Der neuseeländische Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Niccol (Drehbuch für «Truman Show», ausführender Produzent «Das Terminal») hat für sein Drehbuch lange und gründlich recherchiert. Die Figur von Yuri Orlov basiert auf Interviews mit mindestens fünf echten Waffenschiebern. Die hat er auch für seine Requisiten angepumpt: «Es war billiger an echte Kalaschnikows zu kommen, als falsche zu organisieren«, erklärte Nicols bei einem Screening vor Diplomaten an der UNO in New York. Die Reihe von 50 Panzern, die in einer Szene zu sehen sind, bekam er von einem Waffenschieber aus Prag zur Verfügung gestellt. «Der hatte mehr als sie tschechische Armee», so Niccol.

    Zu viel Authentizität tut jedoch vielleicht dem Drehbuch nicht gut. Obwohl Niccol viele schillernde Figuren mit hochklassigen Schauspielern zur Seite stehen - die Model-Ehefrau Ava (Bridget Moynahan), den gutherzigen, aber Kokain-abhängigen Bruder Vitali (Jared Leto) und den Gegenspieler Interpol-Agenten Valentine (Ethan Hawke) - bleibt man als Zuschauer seltsam distanziert von der Geschichte.

    Der Spagat zwischen dem hochbrisanten Thema der internationalen Waffenschieberei und dem sarkastischen Porträt von Yuri als einer seiner wichtigsten Spieler ist im Ansatz eine gute Idee, aber cineastisch nicht ganz geglückt. Cages ironische Erzählstimme aus dem Off ist zwar äußerst unterhaltsam, dadurch wird jedoch die Tragweite seiner Handlungen verwässert: Zum Beispiel als sein Bruder Vitali bei einem der letzten geplanten Deals ums Leben kommt, setzt er sich kaltblütig wieder an den Tisch zurück und macht seine Geschäfte klar. Als er die Leiche Vitalis in die Staaten zurückbringt, wird Yuri verhaftet: Eine Kugel steckte noch unter dessen Rippen.

    Als der Film im September in den USA in die Kinos kam, sorgte er deshalb auch für sehr viel weniger Furore als politisch ähnlich hoch brisante Filme wie Spielbergs «München» oder George Clooneys «Syriana». «Intelligent, aber nicht sehr ergreifend«, schreibt die USA Today über den ihrer Meinung nach visuell überladenen «Lord of War». Die «New York Times» nennt den Film «eine Fehlzündung von einer politischen Satire» und kritisiert die zu positiv dargestellte «Das Geräusch in dem Film ist so ohrenbetäubend, dass es schwer ist, die Message zu hören».

    dpa

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