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  • Kritik: Schwarz, breit, stark:

    Was macht Hollywood, wenn es neue Helden braucht, aber weit und breit keine zu finden sind? Es entrümpelt seinen Dachboden, der voll ist mit schillernden Legenden. John Shaft ist so jemand: cool, smart sexy - ein Mann für alle Fälle.

    Nun kommt die schwarze Film-Ikone der 70er Jahre wieder ins Kino. Viel geändert hat sich nicht, seit Gordon Parks seinen "Blaxploitation"-Klassiker 1971 schuf. John Shaft ist immer noch der Held des so genannten schwarzen Kinos. Wenn Isaac Hayes Filmmusik anklingt, weiß der Zuschauer, dass sich die Gangster in Acht nehmen müssen vor Detective Shaft - ebenso wie die Frauen.

    John Shaft ist eine Figur der Filmgeschichte, die mehr verkörpert als eine Filmrolle. Der Name Shaft steht für die Emanzipation der Schwarzen im Filmbusiness. Shaft war der erste und lange Zeit der einzige afro-amerikanische Kinoheld, der unangreifbar sein durfte, allmächtig gar, unwiderstehlich. "Who's the black private dick that's a sex machine to all the chicks? Shaft!", singt Isaac Hayes. Der New Yorker Polizist war ein Symbol nie da gewesenen Selbstbewusstseins.

    Im Jahr 2000 überführt Shaft einen Mörder, der aus rassistischen Motiven einen Schwarzen umgebracht hat. Der Weiße wird gespielt vom Briten Christian Bale, der mit diesem Auftritt - nach seiner Rolle als psychopathischer Börsenmakler mit Hang zu mörderischen Übergriffen in "American Psycho" - seine Karriere als arroganter Yuppie-Fiesling der Nation fortschreibt. Vor Gericht wird der Mörder gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt und von seinem steinreichen Vater als freier Mann nach Hause chauffiert. John Shaft nimmt diese Demütigung seines Gerechtigkeitssinns zum Anlass und wirft seinen Job hin.

    Ein Kampf nach der Art "einer gegen alle" schließt sich an. Doch die Sitten sind rauer geworden in den Straßen des heutigen New York. Zusammen mit der Zeugin des Mordes (Toni Collette, bekannt aus "The Sixth Sense") räumt John Shaft mit Drogendealern, korrupten Polizisten, schmierigen Informanten und sadistischen Kids auf. Dass der Held an keiner Stelle des Films Zeit findet, seiner auf den Leib geschriebenen Lieblingsbeschäftigung nachzugehen, es also keinerlei Bettszenen gibt, wird so manchen glühenden Anhänger des Sexsymbols enttäuschen.

    Regisseur John Singleton engagierte lieber den Star-Designer Giorgio Armani, um das tadellose Outfit Shafts zu gewährleisten. Nun sehen wir den Hauptdarsteller in edlen Anzügen, glänzender Lederjacke und Rollkragenpullover über die Leinwand stolzieren und fragen uns, ob hier nicht zu viel Imagepflege betrieben wurde. Denn der Film vermag nicht mehr als zu verdeutlichen: Shaft ist wieder da.

    Die Handlung und die übrigen Charaktere sind einfach gestrickt. Der Streifen möchte zu viel erzählen, wirkt überladen. Die meist nur angedeuteten Geschehnisse hätten auch noch für einen weiteren Film gereicht. Allein Samuel L. Jackson kann das Flair des alten Richard Roundtrees, des Original-Shafts, wieder auferstehen lassen. Ob das reicht, ist fraglich.

    Leif Kramp, dpa

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