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  • Kritik: Schrille FamilienKomödie aus Spanien

    Sie sind höllisch nervös, Fernsehansagerin Leni (Marian Aguilera) und ihr neuer Verlobter, der Literaturprofessor Rafi (Guillermo Toledo). Und sie haben allen Grund dazu, wie sich bald herausstellen wird.

    Leni Dalinsky entstammt einer reichlich schrägen spanisch-jüdischen Sippe, Rafi ist Palästinenser. Daraus ergibt sich innerhalb von Minuten einmal nicht Mord und Totschlag, sondern ein 90-minütiger, höchst amüsanter und temporeicher Zusammenprall der Kulturen.

    Das spanische Regie-Ehepaar Teresa De Pelegri und Dominic Harari hat mit «Alles was ich an euch liebe» eine rasante, hemmungslos schwarzhumorige «Culture-Clash»-Komödie in Szene gesetzt. Das unaufhörliche Trommelfeuer der Gags, Bosheiten und Zynismen erweist sich als beachtlich, auch wenn bisweilen Schüsse ins Leere gehen. Beim Filmfestival in Locarno 2004 mauserte sich diese politisch unkorrekte Farce zum absoluten Publikumsliebling.

    Das ist schon eine kuriose Mischpoke, an die der verdutzte Rafi da gerät. Lenis ältere Schwester Tania (María Botto) arbeitet als Bauchtänzerin, piesackt ansonsten ihre unangenehm altkluge Tochter Paula und ist zudem stark nymphomanisch veranlagt. Ihr pubertierender Bruder David (Fernando Ramallo) macht auf extrem orthodoxer Jude und nervt alle mit seinen Sabbat-Vorschriften. Ganz koscher ist der Junge auf keinen Fall. Mutter Gloria (Norma Aleandro) wirkt hysterisch, fühlt sich aus guten Gründen ungeliebt, hatte seit 20 Jahren keinen Sex mehr. Und dann ist da noch Opa Dudu (Max Berliner), ein klappriger Kriegsveteran, der vor Urzeiten für die Freiheit Israels gekämpft hat. Der verrückte Alte läuft den ganzen Tag mit dem Gewehr durch die enge Etagenwohnung. Einziges Problem: er ist blind.

    Total meschugge, diese ganze Truppe. Der arme Rafi steht bald mit dem Rücken zur Wand, und dann unterläuft ihm ein weiterer fataler Fehler. Er lässt einen Block tiefgefrorener Suppe aus dem Fenster fallen und erschlägt damit einen Passanten auf der Straße. Später stellt sich heraus, dass der Mann noch lebt und es sich zudem um Ernesto Dalinsky handelt, den Vater von Leni. Der läuft dann mit einem kapitalen Dachschaden durch diesen Schlamassel und gerät am Ende doch noch in die richtigen Hände.

    Bis dahin verlaufen die Gräben des Nahost-Konflikts mitten durchs Wohnzimmer. Zwischen Vorspeise und Hauptgang brechen uralte biblische Fehden aus, zum Dessert gibt es Morddrohungen, und dieser Wahnsinn hat sogar Methode. Anders als mit einer absurden Komödie kann man dem mörderischen Clinch im Nahen Osten anscheinend gar nicht mehr beikommen. So besitzt die auf dem ersten Blick hemmungslos alberne Burleske durchaus auch eine politische Dimension.

    Mit einer Verbeugung vor dem großen Billy Wilder geht dieser temperamentvolle Familienfilm der etwas anderen Art auf die Zielgerade. Komödien sind trotz aller Zynismen ein menschenfreundliches Genre. Es gilt: «Nobody is perfect».

    dpa

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