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  • Kritik: Schräge Multi-Kulti-Komödie

    «Erst halten, dann schlachten», so der knappe Ratschlag seines Vaters Taheri (Michael Niavarani), aber der längst erwachsene Metzgersohn Mohsen (Navid Akhavan) aus Köln bringt es einfach nicht übers Herz, einem Schaf die Kehle durchzuschneiden.

    Der Knabe ist viel zu zartbesaitet für diesen blutigen Job. Lieber träumt sich Mohsen, der mit fast dreißig immer noch bei seine Eltern wohnt, hinweg in orientalisch-bunte Märchenwelten, oder er strickt an seinem «Schal des Lebens».

    Wie aus einem larmoyanten Weichei schließlich doch noch ein «richtiger Mann» wird, davon erzählt die schräge, nicht immer ganz sauber gestrickte, aber sehr sympathische Komödie «Salami Aleikum», die der 1972 in Iran geborene, seit 1985 in Deutschland lebende Autor und Regisseur Ali Samadi Ahadi («Lost Children») mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt hat. Vom putzigen Vorspann mit gehäkelten Schafen und wolligen Mäusen über kleine, selbstgebastelte Animationssequenzen im Retro-Stil bis zum Finale in Bollywood-Manier auf dem Dorfplatz eines ostdeutschen Dorfes wimmelt es nur so vor skurrilen Ideen, auch wenn dabei der erzählerische rote Faden mitunter verloren geht. Unterhaltsam ist diese verwickelte Multi- Kulti-Posse über weite Strecken allemal.

    Der verlorene Sohn und Tierfreund Mohsen macht sich unter falschen Voraussetzungen auf in Richtung Polen, um Schafe einzukaufen, kommt aber nur bis zu einem von Gott und der Treuhand verlassenen Flecken im Osten Deutschland. Dort leben merkwürdige Ureinwohner, Kneipenwirt Bergheim (Wolfgang Stumph) mit Ehefrau (Eva-Maria Radoy) und ihrer sehr blonden, sehr kräftigen Tochter Ana (Anna Böger), eine zupackende Kfz-Mechanikerin und Ex-DDR-Kugelstoßerin, in die sich der Träumer Mohsen auf der Stelle verliebt. Um sich das Wohlwollen der Familie zu sichern, erfindet der zugereiste Wessi haarsträubende Lügengeschichten vom Reichtum seiner eigenen Sippe und der Möglichkeit, eine längst abgewickelte Textilfabrik wieder zum Leben zu erwecken. Als dann zu allem Überfluss auch noch seine Eltern anreisen, wird die Situation für den Schwindler langsam brenzlig.

    Etwas grobgestrickt kommt diese Familienzusammenführung dann doch daher, zwanzig Jahre nach dem Mauerfall werden zu viele längst obsolete Klischees bedient, und da darf dann Vorzeige-Ossi Wolfgang Stumph auch nicht fehlen. Der verbrüdert sich irgendwann im Wodkarausch und in alter Volksarmeeuniform mit Mohsens aus dem Iran stammenden Vater, aber leider hat der Film mit dem arg kalauernden Titel zu diesem Zeitpunkt seinen spielerischen Charme weitgehend eingebüßt. Da bleibt die zarte Liebesgeschichte zwischen dem schmächtigen Jungen aus Köln und der hochgewachsenen Ana aus dem wilden Osten nur eine Fußnote.

    Johannes von der Gathen, dpa

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