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    Westernklischee purKritik: Schönheit, Drama, Ironie

    Ein Cowboy galoppiert gehetzt im Licht des frühen Morgens, der gleiche Typ reitet nach zwei Stunden Kino zufrieden in die Abendsonne: Anfang und Ende von «Don't Come Knocking» sind

    Dazwischen erzählt Wim Wenders einen seiner besten und zugänglichsten Filme seit «Paris, Texas» vor über 20 Jahren: Ein ironisches, berauschend schönes Drama über einen nicht wirklich starken Mann und dessen nicht wirklich erfolgreichen Versuch, Ordnung in sein kaputtes Leben zu bringen.

    «Bloß nicht stören», so könnte der Titel des Films übersetzt werden, der Wenders in diesem Jahr bei den Festspielen in Cannes zwar über 20 Minuten lange Ovationen, aber keinen Preis einbrachte. «Don't Come Knocking!» warnt ein schäbiges Pappschild im Wohnwagen des alternden Westerndarstellers Howard Spence. Doch Spence ist weg: Hoch zu Ross flieht er vom Schauplatz einer Billigproduktion, tauscht sein besticktes Hemd gegen einen alten Karo-Fetzen und sucht einen Ausweg aus einem falschen Leben, das er Jahrzehnte lang verantwortungs- und bindungslos geführt hat.

    Trockener Witz und große dramatische Szenen

    Die Suche nach Heimat, für Wenders ist sie das Hauptthema des Westerngenres schlechthin. Und für den gerade 60 Jahre alt gewordenen Regisseur ist es «Tatsache, dass man Familie und Liebe vermisst, weil man immer davor weggelaufen ist». Wie einer dieser ewigen Wegläufer versucht, seine Kinder, die er irgendwann gezeugt hat, und eine vergangene Liebe wiederzufinden, schildert Wenders mit einer Geschichte von europäischer Intensität in ur-amerikanischen Bildern.

    Das Drehbuch von Sam Shepard, mit dem Wenders schon für «Paris, Texas» zusammen gearbeitet hat, verbindet trockenen Witz mit großen dramatischen Szenen. Dass Shepard selbst auch die Hauptrolle spielt und seine Ehefrau Jessica Lange seinen weiblichen Gegenpart, verleiht dem Film besonderen Reiz. «Die Charaktere sind die Story», betonte Wenders in Cannes. Nur leider lenken ein paar Nebenstorys zu viel - wie ein neurotischer Versicherungsdetektiv auf der Fährte von Spence - vom Kern der Geschichte ab.

    «Ich ziehe das Leben im Film dem wahren Leben vor»

    «Ich ziehe das Leben im Film dem wahren Leben vor», sagt der Filmcowboy Howard. Doch irgendwann hat er die Nase voll von Kokain, Affären, Alkohol und Einsamkeit. Er findet den Weg zu seiner Mutter (Eva Marie Saint), die der plötzlichen Rückkehr des verlorenen Sohnes ziemlich cool begegnet. Kein Vorwurf, keine Tränen, das Kapitel scheint für sie abgeschlossen. Doch sie erzählt ihm von einer Frau, die vor langer Zeit schwanger von ihm war.

    Schnell findet Spence diese Doreen (Lange) in einer Kleinstadt in Montana wieder. Wiederbeleben lässt sich die alte Leidenschaft nicht. Und sein fast 30 Jahre alter Sohn (Gabriel Mann) reagiert mit maßloser Wut auf den Mann, der ihm sein ganzes Leben lang gefehlt hat. Doch Spence ist ein sturer Kerl mit Cowboyhut und Stiefeln und gibt so schnell nicht auf.

    Wie geschaffen für ganz große Leinwände

    Visuell ist «Don't Come Knocking» wie geschaffen für ganz große Leinwände. Gesichter in Nahaufnahmen, Felsen in der Dämmerung, Landschaften und Städte wirken in ihren satten Farben wie gemalt, inspiriert von den Gemälden Edward Hoppers. Viele Lieblingsmotive von Wenders wie strahlend bunte Leuchtreklamen oder der Namenszug auf einem Hoteldach wiederholen sich hier. Doch der deutsche Kamermann Franz Lustig hat auch das Bekannte in einem aufregenden, eleganten Stil fotografiert.

    dpa

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