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  • Kritik: Schöner Film über Musik und Meisterschaft von Francois Girard

    Der italienische Geigenbauer Nicolo Bussotti vollendet im Jahr 1681 sein Meisterwerk: eine perfekte Violine für seinen ungeborenen Sohn, der ein berühmter Musiker werden soll. Doch Anna Bussotti stirbt bei der Entbindung, und auch das Baby ist tot. Im Schicksal der Geige und ihrer künftigen Besitzer wird sich auf eigenartige Weise verwirklichen, was eine Wahrsagerin für Anna in den Karten las. Der Spielfilm "Die Rote Violine" des kanadischen Regisseurs Francois Girard kommt am 26. November in die Kinos.

    Wenn ein Meister es in seinem Fach zu außergewöhnlichen Leistungen, zu höchster Vollendung bringt, dann nur, weil er für seine Kunst Leidenschaft empfindet. Davon handelt "Die Rote Violine". Girard sagt über den Film: "Es geht darum, wie wir überleben in den Spuren, die wir hinterlassen, wenn wir tot sind, und Kunst ist eine davon." Klassische Musik des amerikanischen Komponisten John Corigliano, vorgetragen vom London Philharmonia Orchestra und vom Violinisten Joshua Bell, durchzieht und verbindet die erfundenen Episoden.

    Die ergreifendste Geschichte spielt um 1790 in Wien. Ein Waisenkind, dargestellt vom zehnjährigen Violinisten Christoph Koncz, spielt auf der Roten Violine nicht nur virtuos, es liebt sie auch wie die nicht vorhandene Mutter. Doch die Hoffnungen des Kindes zerschellen jäh an der Willkür eines Fürsten. Bei dieser Geschichte und den hohen Tönen der Geige spürt man das eigene Innere vibrieren. Das passiert auch noch bei der Episode um den englischen Komponisten Frederick Pope (Jason Flemyng), dessen Charakter an Paganini erinnern soll. Für Pope ist das Geigenspiel eng und unmittelbar mit erotischem Genuß verbunden.

    Um die Reise der Violine durch fünf Länder möglichst authentisch erscheinen zu lassen, ließ Regisseur und Co-Autor Girard die Episoden in den Originalsprachen drehen. Für die Rolle des alten Geigenlehrers in Shanghai während der Kulturrevolution fand er sogar einen Darsteller, der damals wirklich Opfer der Säuberungen war. Das Skript überzeugte auch Leinwandstars wie Samuel L. Jackson, bekannt aus "Pulp Fiction", und Greta Scacchi, in dem ungewöhnlichen Film mitzuspielen.

    Der 1963 geborene Regisseur fand bereits internationale Anerkennung mit seinem Spielfilm "32 Variationen über Glenn Gould". Auch als Regisseur von Musikvideos und sogar mit einer Operninszenierung machte sich der vielfach preisgekrönte Musikkenner einen Namen. Die 130minütige Reise der Geige um die Welt ist nach Ansicht Girards aber kein Musikfilm, "außer in der Hinsicht, daß Musik eine universelle Sprache ist". Vielmehr gehe es in dem Werk, das seine Premiere kürzlich bei den Filmfestspielen in Venedig hatte, um Liebe und Unsterblichkeit.

    In der letzten Episode, im Montreal der Gegenwart, zieht der Film die Verbindung zwischen Anna Bussotti und der Violine noch enger. Entfachte die Geige etwa deshalb soviel Leidenschaft, weil die schöne Frau in ihr auf magische Weise weiterlebt? Man sollte diese Deutung nicht allzu eng sehen: Dann läßt sich die Schönheit des Films, der nur leider nicht rechtzeitig zum Ende kommt, besser genießen. Das faszinierende Musikinstrument Geige wird bestimmt viele neue Freunde finden.

    Bianka Piringer, AP

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