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  • Kritik: Schnipsel, Musik und Klischees nach Noten

    Bilder. Mal quietschebunt, mal verwaschen schwarzweiß. Mal Trick-, mal Realfilm. Statements. Mal verworren-amüsant, mal analytisch-informativ. Musik. Und immer wieder Musik. Mal Schlagzeug, mal Ziehharmonika. Oder beides. Fast immer mit Worten unterlegt. Der "Attwengerfilm" des Österreichers Wolfgang Murnberger ist ein Schnipselfilm.

    Nicht als Dokumentation will der Regisseur ihn verstanden wissen, sondern als Musikfilm. Als ob das eine das andere ausschließen würde. Aber schließlich hat hier einer der hoffnungsvollsten österreichischen Filmemacher, der mit dem bewegenden Jugend-Drama "Himmel oder Hölle" und dem überaus poesievollen filmischen Wehrpflicht-Tagebuch "Ich gelobe" zwei superbe Spielfilme inszenierte, auch zwei ungewöhnliche Musiker zum Thema.

    Denn damit das schon mal für immer klar ist: Die beiden Oberösterreicher Markus Binder und Hans-Peter Falkner, unter dem Namen "Attwenger" als Vertreter einer "Neuen Volksmusik" zu einigem Ruhm gekommen, sind ganz anders: In Interviews geben sie sich wortfaul, verschlafen, behäbig, lustlos. In ihrer Musik mischen sie wild Pogo und Punk; Schlagzeug und Akkordeon entlocken sie fröhliche Hiphop-Grooves; und ihre Texte, mal genuschelt, mal im Stakkato heruntergerattert, sind nie verständlich, aber immer doch auf vertrackte Art witzig.

    Ähnlich munter wie die Musik ist die Dokumentation. Bunte, eigens für den Film zusammengestellte Video-Clips unterstreichen die Spielfreude dieses Alpen-Duos. Verwackelte, blasse Aufnahmen von Heim, Herd, Studio oder von einer Tournee nach Simbabwe (!) wirken so vorläufig und spontan wie die Kompositionen der beiden. Und die Statements sogenannter Experten - Publizisten, Musikwissenschaftler, Journalisten, Musiker - sind von einigem unfreiwilligen Unterhaltungswert. Sie labern bedeutungsschwanger von Authentizität in der Volksmusik, deklarieren "Attwenger" als "Bauernaufstand" oder philosophieren, daß das "Phänomen Attwenger" etwas sich stets Entwickelndes sei.

    Das Interessanteste war noch der Hinweis auf "Attwenger" als "großes Design-Produkt". Interview-Verweigerung, eine stets sich verändernde Musik, das bewußte Spiel mit den Klischees der Volksmusik - alles eine Pose, reine Theatralik?

    Nach dem letztes Jahr gedrehten Film jedenfalls, so liest man, gab es "Attwenger" nicht mehr. Obwohl ihnen im Film noch eine hoffnungsvolle Zukunft prophezeit wird. Die Realität hat die bunte Bilderwelt überlebt. Ein Schicksal, das den vergnüglichen wie informativen "Attwengerfilm" hoffentlich nicht ereilen wird.

    Copyright: , 1996

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