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  • Kritik: Schnelle Autos, schräge Typen

    «Hallo Schatz», flötet Schauspieler Jürgen Vogel in einer schicken Berliner Hotellobby. «Hallo Liebling», antwortet Kollege Daniel Brühl schlagfertig. Die beiden deutschen Filmstars haben beim Dreh zum Film «Ein Freund von mir» sichtlich Spaß.

    Für Sebastian Schippers Komödie über eine ungewöhnliche Männerfreundschaft, die am 26. Oktober in die Kions kommt, standen Vogel und Brühl das erste Mal gemeinsam vor der Kamera. Sie frotzeln noch immer, wenn sie sich sehen. Im Film spielt Jürgen Vogel (38) den extrovertierten Lebenskünstler Hans, der schnelle Autos liebt und pausenlos Blödsinn erfindet. Daniel Brühl (28) mimt den in sich gekehrten Mathematiker Hans, den nichts wirklich begeistern kann. Können so verschiedene Menschen Freunde werden?

    Für Jürgen Vogel ist sein Part eine Paraderolle. Mit coolen Sprüchen und verrückten Ideen hangelt er sich von einem Billig-Job zum nächsten. Was kostet die Welt? Durch sein Autodach tropft das Regenwasser, doch dafür fährt die Klapperkiste rückwärts genauso schnell wie vorwärts. Hans ist ein Mensch, der in den unmöglichsten Situationen plötzlich fragen kann: «Glaubst du an Gott?» oder «Bist du glücklich?»

    Auch Daniel Brühl ist für seinen Film-Charakter die klassische Besetzung. Karl wirkt wie ein Mensch, der weder Freude noch Schmerz zu fühlen scheint. Er sitzt in einem sterilen Versicherungsbüro, hoch begabt, aber unbewegt. Zu Hause, in seiner Designerwohnung, sind die Umzugskisten noch immer nicht ausgepackt. Karl wirkt, als sei er in seinem Leben nur zu Besuch. Selbst als ihn sein Chef mit der Aufgabe provoziert, für eine Versicherungs-Expertise bei einer Mietwagenfirma anzuheuern, macht er sich ohne lauten Widerspruch an die Arbeit. Nur mit Hans hat er zwischen all den teuren Karossen nicht gerechnet. Hans provoziert ihn auf seine Art.

    Regisseur Sebastian Schipper («Absolute Giganten») hat ein Faible für das Thema Männerfreundschaft. Wenn der Zuschauer will, kann er in dem heiteren Film mehr entdecken, als zwei große Jungs, die sich wilde Autorennen liefern und Schabernack treiben. Wer verändert wen bei dieser ungewöhnlichen Annäherung? Ist es Hans, der eine Art Experiment mit Karl macht, wobei er selbst seine Freundin nicht davon ausnimmt? Oder ist es Karl, der in Hans' Leben eine so unbekannte Größe wie Beständigkeit bringt, ein Leben über den Tag hinaus?

    Jürgen Vogel hat das Drehbuch zum Nachdenken über das Thema Freundschaft angeregt. «Ich würde es gar nicht auf Männerfreundschaft reduzieren», betont er. «Freundschaft bedeutet generell für mich, dass man einen langen Zeitraum miteinander verbringt, durch dick und dünn geht und sich vertraut.» An die Klischees von Männerfreundschaft glaubt Vogel nicht. «Ich trinke keinen Alkohol, ich gehe nicht in Kneipen und ich bin kein großer Fußballfan», sagt er. «Ich kenne aber Männer, die bei einem Kaffee die wichtigsten Dinge des Lebens diskutieren und sich selbst in Frage stellen.» Männerfreundschaften seien unkomplizierter als Frauenfreundschaften. «Bei Männern gibt es nicht so viel Konkurrenz», glaubt er. «Wenn Männer sich mögen, nehmen sie einander nichts weg. Und wenn sie sich blöde finden, dann sagen sie sich das ganz offen.»

    Der Film ist eine Momentaufnahme, ein wenig Roadmovie, bei dem die Helden jedoch wie brave Arbeitnehmer immer wieder heimkehren. Die große Welt lockt sie nicht. Der Zuschauer erfährt auch nicht, warum sie so sind wie sie sind. Doch er kann ahnen, dass es durch ihre Begegnung Veränderungen geben wird in ihrem Leben. Im Film war Daniel Brühl für Jürgen Vogel ein Traumpartner beim Dreh. Und wie wirkt der Kollege, wenn er nicht Karl ist? «Ich denk ja immer, ich muss ihn auflockern», sagt Vogel. «Aber Daniel ist privat sehr, sehr lustig und schlagfertig. Er ist ein Freund von mir.»

    Ulrike von Leszczynski, dpa

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