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  • Kritik: Schlag "Null Uhr 12" wird alles anders

    Atmosphärisch dicht

    Die Fünf steigen in eine U-Bahn ein. Jeder von ihnen hat eine Tasche dabei. Keiner von ihnen wirkt völlig entspannt. Das ist der Beginn des deutschen Films "Null Uhr 12", der am 6. Dezember in die Kinos kommt. "Das sind keine Profis, das sind Loser. Absolute Laien", lautet das Urteil des ermittelnden Kommissars Ben (Reiner Schöne). Trotzdem lässt er die fünf Verdächtigen am nächsten Tag festnehmen und sie in Einzelverhören unter Druck setzen.

    Doch die Kellnerin und allein erziehende Mutter Kathrin (Meret Becker) bleibt trotz der Anschuldigungen gelassen. Der von Ehefrau und Chef gebeutelte schüchterne Handelsvertreter Martin (Dieter Landuris) schwitzt und schweigt. Die einsame und chaotische Programmiererin Marie (Isabella Parkinson) stottert in Tränen aufgelöst herum. Der ehemalige Kriegsfotograf und Taxifahrer Jonas (Bernd Michael Lade) ist offenbar ahnungslos. Und der spielsüchtige, cholerische Schmierentyp Frank (Mario Irrek) randaliert.

    Keines der fünf vermeintlichen Bandenmitglieder kann ein Alibi vorweisen. Doch die Frage, ob sie tatsächlich an dem Überfall beteiligt waren, bleibt für die fünf Ermittler wie für den Zuschauer unbeantwortet. Kommissar Bens nächste Anweisung lautet: "Freilassen und beschatten." Schuldig oder nicht? Diese Frage blitzt im weiteren Verlauf der Handlung immer wieder auf, wird jedoch zunehmend unwichtig. Erzählt wird stattdessen die Geschichte von fünf Menschen, deren Leben Punkt 00.12 Uhr eine Wendung nimmt.

    Es ist, als sei ein Schalter umgelegt worden: Alle fünf Protagonisten brechen aus ihrer Alltagstristesse aus, machen sich frei von dem, was sie kaputt macht. Tun sie das, weil sie den großen Coup gelandet haben oder weil sie begriffen haben, dass das Leben sich schlagartig ändern kann - einfach so? Kellnerin Kathrin zieht ihrem Chef eine Bratpfanne über den Schädel; Drücker Martin zerschneidet die Kleider seiner getürmten Frau; Marie frönt dem hemmungslosen Sex mit Callboys; Jonas beginnt wieder zu fotografieren, und Spieljunkie Frank fährt plötzlich einen Sportwagen.

    Der Zuschauer wird Zeuge, wie sich fünf Individuen auf den Weg zu sich selbst begeben. Zwischen zweien von ihnen entspinnt sich zart, aber unsentimental eine Liebesbeziehung. Schuldig oder nicht? Egal: Nichts ist mehr wie vorher. Alles wird besser, aber nichts wird gut. Träume zerplatzen, Lügen werden wahr. Bernd Michael Lade, dem Fernsehpublikum unter anderem als Leipziger "Tatort"-Kommissar Kain bekannt, liefert mit "Null Uhr 12" ein überaus mutiges Regiedebüt ab: Mit seinen Geschichten im Zick-Zack-Kurs, teilweise depressiven Bildern und kantigen Dialogen.

    Lade gelang ein atmosphärisch dichter und durchaus spannender Thriller, der zudem jede Menge düster-aggressiver Berlin-Atmosphäre vermittelt. Wer sich auf das Rätselraten um Wahrheit oder Lüge einlässt und den fünf Filmhelden an den Rand des Wahnsinns folgt, wird nicht enttäuscht sein. Ohne Frage passt "Null Uhr 12" bestens ins Genre "Filmrätsel".

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