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  • Kritik: Schicksal einer Drogenkurierin

    Die kolumbianische Drogenmafia nennt sie «Maultiere». Sie schlucken bis zu 125 kleine Päckchen mit Heroin oder Kokain, um sie über die Grenze zu schmuggeln. Platzt eines der Gummipäckchen im Magen, kann das tödlich sein. Allein 2004 wurden am New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen 57 solcher Drogenkuriere festgenommen.

    Wie groß muss die Verzweiflung sein, diese traurige Karriere einzuschlagen? US-Regisseur Joshua Marston gibt in seinem preisgekrönten Debüt «Maria voll der Gnade» eine beeindruckende Antwort. Hauptdarstellerin Catalina Sandino Moreno war zu Recht für ihre erste große Rolle für einen der Oscars 2005 nominiert.

    Die 17 Jahre alte Maria (Moreno) führt in ihrer kolumbianischen Heimat ein tristes Leben. Das Geld, das sie durch die harte Arbeit in einer Blumenfabrik verdient, muss sie mit ihrer Familie teilen. Ihren Freund (Wilson Guerrero) liebt sie nicht richtig, und dann wird sie auch noch schwanger. Als der charmante Franklin (Jhon Alex Toro) auf seinem Motorrad in ihr Leben braust, weckt das bei ihr die Sehnsucht nach der großen weiten Welt und einem besseren Leben. Wie ihre Freundin Blanca (Yenny Paola Vega) entscheidet sich Maria, zum «Schlucker» zu werden.

    Die für den Drogentransport versprochenen 5000 Dollar sind viel Geld in einem Land, in dem das durchschnittliche Jahreseinkommen bei 1830 Dollar liegt. Und so gerät Maria ins Verderben, schon am Flughafen fällt sie den gewieften US-Zollbeamten auf. Als Zuschauer mag man kaum hinsehen, wie das Mädchen zuvor 62 daumengroße Päckchen hinunterwürgt. Mit Trauben übt sie vor dem Spiegel, den Brechreiz zu überwinden. Im Flugzeug bekommt Maria Bauchkrämpfe und muss die ausgeschiedenen Päckchen noch einmal schlucken. Der Film ist dabei drastisch, ohne auf plakative Effekte zu setzen.

    Gedreht wurde aus Sicherheitsgründen in Ecuador, wo ein ganzes Dorf in ein Stück Kolumbien verwandelt wurde. Die Schauspieler, viele davon Filmneulinge, führte Regisseur Marston mit Improvisationen an den Stoff heran. Die Kameraführung ist schlicht, die Musik zurückhaltend. Bis in die Nebenrollen hinein wissen die Akteure zu fesseln, die Geschichte ist glaubwürdig - bis hin zum Ende.

    Im Teil, der in New York spielt, kommt ein Kolumbianer vor, der sich um seine gestrandeten Landsleute kümmert: Dies macht Orlando Tobón auch in Wirklichkeit. Er sorgte etwa dafür, dass 400 tote Drogenkuriere in ihre Heimat übergeführt wurden. «Maria voll der Gnade» bekam 2004 Preise bei der Berlinale und beim Sundance Festival - und wird hoffentlich in Deutschland ein großes Publikum finden.

    dpa

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