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  • Kritik: Schaurigschöne Romanze

    Unter einem Mangel an Fantasie und Kreativität leidet der US-Filmemacher Tim Burton mit Sicherheit nicht. Zum dritten Mal in Folge bringt der 47 Jahre alte Erfolgsregisseur nun einen Film ins Kino, der das Publikum in eine märchenhafte Welt voll wunderbarer Details entführt. Nach «Big Fish» aus dem Jahr 2003 und «Charlie und die Schokoladenfabrik» in diesem Sommer will Burton die Zuschauer nun mit dem zugleich romantischen wie makabren Puppentrickfilm «Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche» verzücken.

    Mit dem Gang in den Kinosaal betritt der Zuschauer eine düstere, streng konservative Kleinstadt im Europa des 19. Jahrhunderts. Argwohn, Habgier und Missgunst bestimmen das Bild - das Leben der Menschen ist so ungemütlich wie die triste Landschaft und die karg möblierten Häuser in dem Dorf.

    In all der Düsterheit ist für den jungen Mann Victor nur die holde Victoria ein Lichtblick, die er zuerst auf elterlichen «Wunsch» heiraten muss, dann aber auch ganz schnell heiraten will. Doch die in diesen Tagen so seltene Liebesehe wird jäh vereitelt durch ein fatales Missgeschick - tollpatschig gibt Victor einer toten Frau das Jawort und fährt damit buchstäblich zur Hölle.

    Für die Geschichte ließ sich Burton von einem russischen Gruselmärchen inspirieren - einen Horrorfilm hat er jedoch nicht daraus gemacht. Vielmehr erzählt er mit großartigem schwarzen Humor und einer ganzen Menge Romantik von zwei Menschen, die weder Tod noch Teufel ähnliche Gegenspieler von ihrer Liebe abbringen können. Dabei erschafft er mit wunderschönen Bildern eine Atmosphäre auf der Leinwand, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen in den Bann zieht. Selbst die in früheren Werken des Regisseurs manchmal störenden Musical-Einlagen fügen sich diesmal optimal ein.

    Wie in anderen Burton-Filmen, etwa «Beetlejuice», ist das eigentlich Erschreckende in Wahrheit schön - die Realität dagegen erschreckend. So ist die Welt der Lebenden in «Corpse Bride» grau, trostlos, stumpfsinnig - im Totenreich dagegen herrscht pure Lebensfreude, alles ist bunt und die Kneipen schließen nie. Selbst die verwesende Leichenbraut mit ihrem in Fetzen gerissenen Hochzeitskleid ist wunderschön und liebreizend. Die Angst des Menschen vor dem Tod ist in diesen 78 Kinominuten definitiv nicht das Leitmotiv.

    Technisch gesehen ist der Film eine Fortsetzung des Burton- Klassikers «The Nightmare Before Christmas». Die damals so begeisternde Puppentechnik hat er für «Corpse Bride» mit Hilfe von Computern perfektioniert. Noch nie wirkten Puppen so echt - grobmotorische, gefühlsleere Figuren gehören endgültig der Vergangenheit an. Der Vorteil gegenüber Trickfilmen, die Dreidimensionalität der Charaktere und der Umgebung, wird deutlich wie selten zuvor. Das Geschehen auf der Leinwand wirkt lebensnah. Zehn Jahre haben Burton und sein Team an dem Film gearbeitet. Es hat sich absolut gelohnt.

    dpa

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