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  • Kritik: Satirische Komödie mit gagreichem Anfang

    ...dann setzen böse Engel die ganze Schöpfung aufs Spiel: Mordende Engel, bekiffte Propheten und eine Nachfahrin von Jesus, die in einer Abtreibungsklinik arbeitet - mit Spaß an der Provokation hat der junge Regisseur Kevin Smith seine Fantastereien über einen Angriff auf die gesamte Schöpfung verfilmt.

    In der satirischen Komödie "Dogma" spielen Matt Damon und Ben Affleck die bösen Engel Loki und Bartleby, die aus dem Himmel verbannt wurden, sich seit Tausenden von Jahren in Wisconsin langweilen und mit Gewalt zurück ins Paradies wollen.

    Ihre Chance kommt, als in New Jersey eine neue Kirche fertig geworden ist. Denn nach dem katholischen Dogma wird jedem Generalabsolution erteilt, der die Schwelle eines neu geweihten Gotteshauses überschreitet. Wenn die beiden durch dieses Schlupfloch gehen, würden sie damit aber auch das Ende der Welt heraufbeschwören, denn ihre Rückkehr in den Himmel würde die Fehlbarkeit Gottes beweisen.

    In der komischsten Szene des Films stellt der Kardinal (George Carlin) ein neues PR-Konzept für die katholische Kirche vor mit neuem Logo, zugkräftigem Slogan und Maskottchen. Und mit respektlosen Gags geht es erst einmal weiter: Zur Retterin der Schöpfung wird Bethany Sloane (Linda Fiorentino) auserkoren, die eigentlich stinksauer auf Gott ist, weil sie keine Kinder kriegen kann. Doch dessen Bote Metatron (Alan Rickman), der mit toupierten Haaren wie ein Rockstar aus den 80er Jahren aussieht, kann sie von der Mission überzeugen.

    Ihr Wegweiser und Schutz sollen zwei Propheten sein, die in Gestalt der Drogendealer Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (gespielt von Regisseur Smith) auftauchen. Ihnen schließen sich auf dem Weg nach New Jersey noch der schwarze Apostel Rufus (Chris Rock) und die himmlische Muse Serendipity (Salma Hayek) an, die auf Erden als Stripperin tanzt.

    Dann ist Schluss mit lustig: Sie bekommen es mit einem eskalierenden Aufgebot der Mächte des Bösen zu tun, drei erbarmungslos brutalen Jugendlichen mit Eishockey-Schlägern, einem stinkenden Fäkalmonster und schließlich dem gehörnten Drahtzieher Azrael (Jason Lee). Derweil findet das Duo der gefallenen Engel Befriedigung in Blutorgien. Cool und selbstgerecht wie die Brutalos aus Tarantino-Filmen massakrieren sie das ganze Management eines Cartoon-Konzerns für seine Sünden.

    Wenn der Film bei dieser Szene ankommt, ist den Zuschauern längst das Lachen vergangen. Die abnehmende Gagdichte wird immer mehr durch Geschwätzigkeit überdeckt. Trotz der wortreichen Erklärungen, denen der Stolz des Autors auf seinen Einfallsreichtum und seine Frechheiten anzumerken ist, kann Verwirrung entstehen darüber, wer warum wem was antut. Zu blass bleibt dagegen die Lichtgestalt des Films. Bethany ist - völlig unpassend zu ihrer Rolle als Retterin der Schöpfung - über weite Strecken passiv bis desinteressiert.

    Nach dem Motto "It's only fantasy" ist bei Smith alles möglich - sogar, dass der Allmächtige vorübergehend mal nicht im Himmel ist. Von dieser Sorte Gag, die philosophisch anmuten, aber nichts zu bedeuten haben, sind viele Einfälle nach dem Motto "Ablachen auf Teufel-komm-raus".

    In den USA hat "Dogma" erwartungsgemäß Proteste der Katholischen Liga für religiöse und bürgerliche Rechte hervorgerufen. Das führte dazu, dass die Disney-Firma Miramax Film aus dem Verleih ausstieg. Kevin Smith besteht darauf, dass sein Film nicht blasphemisch sei. Er ist nach eigenen Angaben praktizierender Katholik und hat sich den Stoff in einer Phase des Zweifelns von der Seele geschrieben. Und er hielt Kritikern entgegen, einige seien nur deshalb Katholik, weil sie Angst vor der Hölle hätten. Und viele kümmerten sich weit mehr um die Bekämpfung von Abtreibung und Homosexuellen als um die Verehrung Gottes.

    Inge Treichel, AP

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