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  • Kritik: Sarandon und Portmann als

    Beverly Hills ist mehr denn je ein Synonym für Reichtum, schöne Menschen und ein Leben auf der Überholspur, im Kabrio. Und Adele spürt ganz genau, dass ihr dieser Glamour zusteht, - wenn sie es nur erst geschafft hat, die verhasste Kleinstadt in Wisconsin und ihren langweiligen zweiten Ehemann hinter sich zu lassen.

    Folgerichtig beginnt ihr Ausbruch aus der Provinz nicht, wie sonst bei Frauen üblich, mit einer neuen Frisur, sondern mit einem neuen Auto: kein Kabrio, doch ein gebrauchter, goldfarbener Mercedes.

    Darin sitzt sie nun wie in "Thelma und Louise" mit einem siegessicheren Lächeln, wehendem Haar und Sonnenbrille. Und ihre 15-jährige Tochter Ann, die gezwungenermaßen an dem Trip gen Kalifornien teilnehmen muss, weiß gar nicht wohin mit ihrem Frust. Eine Mutter, die schon gut in den Vierzigern ist, sich aber verhält wie eine 18-Jährige - echt ätzend.

    Nein, diese Mama gehört nicht zu der gemütlichen Sorte, die Plätzchen backt und ihre Tochter vor den falschen Männern warnt. Sie ist ebenso das Gegenteil von einer Matrone, wie sie sich Ann wohl insgeheim wünscht, - wie Ann das Gegenteil jener niedlich-hohlen Teenager ist, wie sie in der "Beverly-Hills"-Fernsehserie propagiert werden.

    Und doch sieht Adeles tollkühner Plan vor, ihre Tochter zu einer Filmkarriere anzutreiben: eine furchtbare Vorstellung für Ann, die alles, nur nicht auffallen will. Schon ihr erster Highschool-Tag in L.A. wird für sie zum Minenfeld, weil eben jene archetypischen Beverly-Hills-Dummies das scheue Kind erst einmal wegen seiner braven Klamotten auslachen.

    Es ist sehr einnehmend, wie einfühlsam Regisseur Wayne Wang und sein zweimal oscargekrönter Drehbuchautor Alvin Sargent komplexe weibliche Verhaltensweisen und Charaktere transparent machen und sie zugleich ohne einen Hauch von Klischee oder Karikatur inszenieren. Vor allem wird auf jene Gefühlsduselei verzichtet, die sich in Filmen meist wie ein gnädiger Schleier über die stets schwierigen Mutter-Tochter-Beziehungen legt.

    Hier gibt es ein dynamisches Hin und Her von Liebe und Hass, von Konkurrenz und Dominanz, von schmerzhaften und tröstlichen Einsichten, an dessen Ende das Erwachsenwerden steht - sowohl von Ann wie von Adele, wobei Ann oft wie die Ältere der beiden erscheint. Oder ist ihre Mutter mit ihren hochfliegenden Plänen doch nicht so durchgeknallt, wie Ann meint?

    Susan Sarandon spielt eine hibbelige Frau, die sich ihre wahren Gefühle kaum anmerken lässt, einen lautstarken Optimismus verbreitet und äußerst flirtlustig ist. Ihr gekonntes Zirpen und Flöten wird von der Tochter zugleich neidisch und amüsiert beäugt. Auch Ann, ein intelligentes, ruhiges und ziemlich stures Mädchen, hat's in sich: Wenn Susan Sarandon es schafft, die ein wenig manische Adele zugleich hysterisch und bodenständig zu verkörpern, so besitzt Natalie Portmann (zuletzt als kindliche Königin in "Star Wars IV" zu sehen) als Ann einen wirklich umwerfenden Charme. Sie bricht wie nebenbei alle Herzen und ist darin ihrer Mutter gar nicht unähnlich. Herrlich, wie sie herummotzt und Adele mit gehässigen Kommentaren nervt! Wie sie sich ihrer überdrehten Mutter schämt und sie im nächsten Moment wegen ihrer Chuzpe bewundert.

    Eben wie im wahren Leben: ein Kaleidoskop von konfusen Gefühlen, die mit seltener Aufgeklärtheit in Szene gesetzt sind und gerade wegen ihrer unsentimentalen Attitüde so oft komisch scheinen. Leider vernachlässigt der Film die Details der äußeren Lebensumstände, die viel schäbiger sind, als Adele sie sich erträumte: Wie zum Beispiel kommt die Lehrerin Adele in ihrer Schule zurecht, die im Ghetto liegt; wie schafft es Ann, sich im neuen Milieu durchzusetzen?

    Doch Fragen wie diese sind ein Kompliment für eine Handlung, die es schafft, einen so sehr in den Bann der beiden Stehauf-Frauen zu ziehen. Männer spielen in diesem Beziehungsclinch eine Nebenrolle, auch wenn Adele einen Gutteil ihrer Zeit auf Männerfang ist: sogar im melodischen Soundtrack sind nur trotzige weibliche Stimmen, wie K.D. Lang und Lee Ann Rimes, zu hören.

    Und es steht zu befürchten, dass Männer auch im Publikum ratlos angesichts dieser geballten Weiblichkeit mit all ihrem Streiten und Leiden zurückbleiben werden. Dabei hat "Überall, nur nicht hier" weder eine feministische Message, noch propagiert der Film die heile Familie. Seine entschieden antidämliche Haltung wirkt jedoch auf weibliche Zuschauer äußerst erfrischend. Der Film kommt ab 30. März in die Kinos.

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