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  • Kritik: Saftige Komödie:

    Drei Bankräuberinnen im Greisenalter - das kann nicht gut gehen. Oder doch? In der melancholischen Komödie "Jetzt oder nie - Zeit ist Geld" übernehmen die Alten das Kommando und leben mit Bravour ihre Wünsche aus.

    Ein herzlich lustiger, zuweilen auch nachdenklicher Film über die Träume, Hoffnungen und Sorgen alter Menschen und über den unvermeidlich nahen Tod. Der junge Regisseur Lars Büchel (34) hält die Balance zwischen Schwermut und Albernheit, führt die Greise nicht vor, sondern lässt sie lebensfroh selbst agieren. Sein Film ist eine Hommage an das Älterwerden - auch wenn nicht alles so klappt, wie die Alten es sich wünschen.

    Die drei Freundinnen Carla (Gudrun Okras), Lilli (Elisabeth Scherer) und Meta (Christel Peters) - allesamt über 70 - haben einen letzten großen Traum: Eine Kreuzfahrt. Dafür gehen sie sogar klauen im örtlichen Lebensmittelladen - das Diebesgut wird in Carlas Altenheim verhökert. Das so ergaunerte Geld kommt in die gemeinsame Skatkasse, bis diese randvoll gefüllt ist. Doch als sie ihre Ersparnisse auf der Bank einzahlen wollen, werden sie Opfer von Bankräubern. Völlig deprimiert sehen sie nur eine Lösung: Wir werden selbst zu Bankräubern!

    Doch die Voraussetzungen sind denkbar schlecht: Der Fahrer des Fluchtwagens ist fast blind, Meta ein vergesslicher Hasenfuß und Lilli verliebt sich in den Kassierer. Dennoch glückt das Vorhaben - die Beute ist allerdings mickrig. Beim zweiten Überfall sind die Damen schon geschickter, und auch die Beute lässt sich sehen, doch die Polizei schnappt die drei. Nach der Haft, die nur zwei von ihnen überleben, kommen sie dann doch noch in den Genuss ihrer Seereise - wenn auch anders als geplant.

    Was sich wie eine absurde Räuberpistole anhört, entpuppt sich als liebenswerte Geschichte über das Alter, das Leben und die Liebe. Selten zeigen alte Menschen auf der Leinwand so viel Spaß und Lebensfreude wie die vom Leben nicht unbedingt verwöhnten Freundinnen. Bei allen Schrullen und Macken, die sie haben, und auch wenn sie sich gehörig auf die Nerven gehen, verbindet sie eine tiefe Freundschaft und das Wissen um die Sorgen und Nöte der Anderen.

    Die drei gestandenen Schauspielerinnen Okras, Scherer und Peters - allesamt mit gehöriger Theater- und Filmerfahrung ausgestattet - hatten sichtlich Spaß an der Zusammenarbeit - auch mit Til Schweiger. Der übernahm nicht nur eine kleine Nebenrolle als Serienbankräuber "Die Spinne", bei dem sich die Alten Tipps holen, sondern fungierte mit seiner Firma Mr. Brown Entertainment auch als Produzent. Er wagte, was viele andere Produktionsfirmen ablehnten - die Verfilmung des Drehbuches, mit dem Lars Büchel jahrelang hausieren ging.

    Dabei konzentrierten sie sich voll auf ihre drei rüstigen Rentnerinnen und deren nicht minder betagte Freunde und Bekannte - sei es der Bankkassierer, mit dem Lily sogar im Bett landet oder der halbblinde Fluchthelfer wider Willen, der erfolglos um Meta buhlt. Selbst Carlas Weggefährten aus dem rigide geführten Altenheim strahlen in all ihrer unbeholfenen Gebrechlichkeit Würde, Lebensfreude und Kraft aus. Dagegen wirken die hochkarätig besetzten jüngeren Figuren im besten Alter saft-, kraft- und ideenlos - ob Lilys abgespannte Tochter Flora (Corinna Harfouch), Metas tyrannischer Sohn Bruno (Martin Semmelrogge) oder der hilflos wirkende Polizist Hintermaier (Thierry van Werveke).

    Ihnen fehlen, so scheint es, die schönen und auch bitteren Erfahrungen eines langen Lebens und die schmerzliche, aber auch stärkende Erinnerung an längst verblichene Weggefährten. "Jetzt oder nie - Zeit ist Geld" ist eine saftige Komödie mit lauten Lachern, aber sanften, melancholischen Tönen.

    Patrick T. Neumann, dpa

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