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  • Kritik: Routinierter Entführungskrimi

    Morgan Freeman ("Outbreak", "Sieben") ist wieder auf der Kinoleinwand zu sehen. Diesmal nicht in einem Virusdrama und auch nicht in einem nervenzerreißenden Psychothriller, sondern zur Abwechslung in einem Krimi. Für Freeman war dies die Möglichkeit, Kraft für neue Projekte zu sammeln; denn viel von seiner Schauspielkunst musste er für "Im Netz der Spinne" nicht anwenden.

    Die mitreißendste Szene bekommt der Zuschauer gleich zu Beginn serviert: Während eines dramatischen Undercover-Einsatzes einer Polizistin zur Überführung eines Sexualstraftäters kommt es zu einem spektakulären Autounfall, in dessen Verlauf das Cabrio mitsamt FBI- Agentin einen Staudamm hinabstürzt. Diese Szene steht in keinem Verhältnis zu der folgenden eher ruhigen Handlung. Es bleibt unverständlich, wieso ein Suspense-Thriller mit dem Anspruch, auf subtile Weise Spannung zu erzeugen, einer solch furiosen Eröffnungssequenz bedarf.

    Vertracktes Katz- und Mausspiel

    Bis auf derartige Irritationen arbeitete der neuseeländische Regisseur Lee Tamahori aber geradlinig. Der Polizeipsychologe Alex Cross, nach dem traumatisierenden Unfall im Vorruhestand, kehrt nach acht Monaten wieder in den Dienst zurück. Ein sensationeller Kidnappingfall erfordert sein Ermittlungsgespür. Die Senatorentochter Megan wird scheinbar von ihrem Lehrer entführt, obwohl sie unter ständiger Bewachung des Secret Service steht.

    Der Entführer möchte im Grunde kein Lösegeld, sondern simple Aufmerksamkeit der Medien und von Alex Cross selbst. Sein Ehrgeiz zielt auf ein vertracktes Katz- und Mausspiel, das zwar eine Menge Leichen und einige verblüffende Wendungen zu bieten hat, aber am Ende auf ein schwer erkämpftes Happy-End hinausläuft.

    Rasant choreographierte Lösegeldübergabe

    Die Geschichte um Geltungssucht und den Kampf zwischen Alt und Jung im Polizeidienst (der Freeman-Widerpart Monica Potter etwas blass aussehen lässt) entspringt der Feder von Bestsellerautor James Patterson, der auch schon die Romanvorlage für "Denn zum Küssen sind sie da" (1997) lieferte. Mit 17,1 Millionen Dollar fiel das Einspielergebnis der Fortsetzung "Im Netz der Spinne" am US- Startwochenende um knapp vier Millionen Dollar besser aus als beim Vorgänger.

    Morgan Freeman dürfte es freuen: Er spielt in beiden Filmen seine Rolle mit der gewohnten Routine. Bemerkenswert ist allein eine rasant choreographierte Lösegeldübergabe, in der Alex Cross durch halb Washington D.C. gehetzt wird. Freeman absolviert diesen Part mit sympathisch-verkniffenem Gesicht.

    Ein reiner Unterhaltungsfilm

    Insgesamt sorgte "Im Netz der Spinne" an den US-Kinokassen für ein durchschnittliches Ergebnis (knapp 50 Millionen Dollar/59,5 Millionen Euro/116,2 Millionen Mark). Was dem Film fehlt, ist eine charismatische Schauspielerin wie Ashley Judd aus dem Vorgänger "Denn zum Küssen sind sie da", die gegen Morgan Freeman bestehen kann. Der Thriller scheint aber so inszeniert, als wolle er nicht mehr als unterhalten. Das gelingt ihm durchaus. Doch eine Erkenntnis kann der Zuschauer dem Film dennoch abgewinnen: Frauen können auch böse sein, sehr böse.

    Leif Kramp, dpa

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