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  • Kritik: Roth setzt mit Blutorgie im Keller auf größte Brutalität

    Eben noch hat der amerikanische Student Josh im Zug in die slowakische Einöde gesessen und einen Ekelanfall erlebt, als ihn ein schmieriger Geschäftsmann aus Holland mit seinen Wurstfingern sanft berührte. Nun sitzt er gefesselt auf einem Stuhl in einem Keller, um ihn herum Werkzeuge, und der Holländer bohrt ihm lustvoll Löcher in die Knochen. Es ist dieselbe Bohrmaschine, die Eli Roth («Cabin Fever») auf dem Plakat für seinen neuen Streifen «Hostel» als Symbol des Horrors zeigt.

    In dieser osteuropäischen Industriebrache ist langsame Folter mit größtmöglicher Brutalität angesagt. Hierher kommen Reiche, unter ihnen auch ein faschistoider Deutscher, um für harte Währung perverse Tötungsfantasien an jungen Touristen auszuleben. Sie verbrennen Frauen die Augen, zerhacken Männer, nähen sie wieder zusammen, trennen mit Bolzenschneider Zehen ab und laben sich daran, wie die Schreie der Wehrlosen selbst das Kreischen der Kettensäge übertönen.

    Wo andere abblenden, hält Roth (Buch, Regie) drauf, bis sich einem der Magen umdreht. Abgesehen von den tadellosen Make-up-Effekten (KNB Efx Group) ist dieser von Quentin Tarantino präsentierte Film weit mehr als das übliche Abspulen aller möglichen Arten zu sterben. Roth inszeniert hier eine gerade noch vorstellbare Geschichte. «Es gibt keine Grenzen dessen, was man anderen Personen zu seinem eigenen Vergnügen antun kann, und dies war das Grauenvollste. Das hat mich gleich fasziniert», sagt er laut den Unterlagen zu dem 90-Minüter.

    In Zeiten, da Geiseln im Irak sichtbar exekutiert werden und Soldaten Gefangene foltern, scheint die Lust an Gewalt grenzenlos. Entstanden ist hier ein schauriges Werk mit authentischem Anspruch, wie es in dem Genre selten und jüngst in «Final Destination III» und in dem Kassenhit «Saw II» schon gar nicht zu finden ist. Nachdem der Film «Die Chroniken von Narnia» von der Spitze der US-Kinocharts fegte und mehr als das Zehnfache des Fünf-Millionen-Dollar-Budgets einspielte, dürfte ihm auch in Deutschland ein großes Publikum sicher sein.

    Roth zeigt Originalschauplätze ohne geschönte Farben: ein vom postkommunistischen Verfall gezeichneter Bahnhof, kriminelle Kinderbanden, Discos und Wodkanächte im rauchigen Licht, Amsterdams Puffmilieu. Hier beginnt die Story fröhlich, bevor sie fast im Blut ertrinkt. Josh und sein Kumpel Paxton (Jay Hernandez) reisen zusammen mit dem Isländer Oli in Europa und hören von schönsten Sexfreuden im Osten. Die Träume der Schürzenjäger erfüllen sich nahe Bratislawa in einer Jugendherberge. Aber die schönen Frauen entpuppen sich als Lockvögel für die Mörder.

    Am Ende kämpft Paxton allein gegen alle. Sogar die Polizei mischt mit in dem Sadismus. Und obschon auch dieser Horror den kurzlebigen Akteuren kaum die Chance zur Entfaltung lässt, gibt es einen starken Moment in dem Film. Paxton trifft auf seiner Flucht in der Umkleidekabine auf einen Amerikaner, dessen Folterlust Rick Hoffmann («The Day After Tomorrow») erschreckend gut spielt. Vor allem aber verpflichtete Roth namhafte tschechische Mimen wie Jan Vlasák, einen großen Shakespeare-Darsteller des Landes, in der Rolle des bösen Holländers. Und Milan Chadima (Kamera) sorgt für den europäischen Look.

    Ulf Mauder, dpa

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