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  • Kritik: "Rossini": Wildes Spiel um Sex, Geld und Leidenschaft

    Frankfurt/M (AP) Von draußen gesehen leuchtet das Restaurant "Rossini" wie eine trostverheißende Oase im Dunkel der Nacht. Im Inneren jedoch tobt allabendlich eine wildes Spiel um Sex, Macht, Geld und Liebe. Es ist ein maßloser Jahrmarkt der Eitelkeiten, den Regisseur Helmut Dietl in seiner neuen, am 23. Januar in den Kinos anlaufenden Komödie "Rossini" präsentiert, zugleich ein satirisches Porträt der Münchner Kulturschickeria.

    Der Film ist rasant inszeniert und mit der Creme der deutschen Schauspielzunft großartig besetzt. Der ganz große Wurf ist Dietl nach seinem Erfolg mit "Schtonk" aber dennoch nicht geglückt.

    Worum es wirklich geht, verrät der Untertitel: "Die mörderische Frage, wer mit wem schlief". Um dieses Leitmotiv dreht sich das ganze, immer am Rande des Wahnsinns balancierende Geschehen, das sich an einem Abend im "Rossini" abspielt, unter dem mürrischen Blick des Wirts Paolo (Mario Adorf), eines notorischen Frauenverächters, der schließlich doch der raffinierten blonden "Schneewittchen" (Veronica Ferres) verfällt.

    Da ist der von Allergien und Potenzstörungen geplagte Regisseur Uhu Zigeuner (Götz George), der den menschenscheuen Schriftsteller Jakob Windisch (Joachim Krol) überreden will, seinen Bestseller vom bankrotten Produzenten Oskar Reiter (Heiner Lauterbach) verfilmen zu lassen. Dieser buhlt mit dem Dichter Bodo Kriener (Jan Liefers) um die Gunst der von schweren Verdauungstörungen geplagten Valerie (Gudrun Landgrebe). Souverän haben Dietl und sein Drehbuchautor Patrick Süßkind, die schon bei den TV-Erfolgsserien "Kir Royal" und "Monaco Franze" zusammenarbeiteten, die vielen teils komischen, teils tragischen Szenen zu einem schlüssigen Ganzen gebündelt.

    Einen großen Teil seines Reizes bezieht der Film aus der Tatsache, daß das "Rossini" eine bis zur Kenntlichkeit entstellte Nachbildung von Dietls Münchner Lieblingslokal "Romagna Antica" ist. Ähnlichkeit mit lebenden Personen wie etwa dem Produzenten Bernd Eichinger oder dem Lyriker Wolf Wondratschek sind keineswegs zufällig. Und auch die Figur des Uhu Zigeuner ist leicht als Alter ego von Regisseur Dietl zu erkennen, der in einem Interview sogar eingeräumt hat, selbst gelegentlich Potenzprobleme zu haben.

    In dieser Nähe zur Münchner Kulturszene liegt aber auch das Hauptproblem des Films. Mit seinen Fernsehserien hat Dietl die Schickeria der bayerischen Hauptstadt bereits auf ironische Weise bloßgestellt, und mit "Rossini" macht er im Grunde nichts anderes. Auch formal geht er über seine früheren Arbeiten nicht hinaus. In einer Szene betrachtet Götz George nachdenklich ein Glas voll Blut und murmelt: "Sieht aus wie Kir Royal." Das gleiche läßt sich über den ganzen Film sagen.

    Anders als vom Regisseur behauptet, behandelt die Komödie eben nicht den "ganz normalen Wahnsinn". Das Problem, die Millionen für den nächsten Film zusammenkriegen, ist den allermeisten Zuschauern so fremd wie eine Antarktisexpedition. Wenn der Film überhaupt eine allgemeingültige Aussage hat, dann wird sie von der sexhungrigen Klatschjournalistin Charlotte drastisch formuliert: "Es gibt keine Liebe zwischen Männern und Frauen, es gibt nur Sex, und Sex ist auch Scheiße."

    Von AP-Korrespondent Ralf Neukirch

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