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  • Kritik: "Romeo Julia" im MTV-Zeitalter

    Hamburg (dpa) - Romeo fährt einen amerikanischen Straßenkreuzer und hat Freunde aus der Hiphop-Szene. Julia ist umgeben von jungen Latinos, die rasierte Koteletten haben und mit ihren Butterfly- Messern nicht gerade zimperlich umgehen. Doch die Liebesgeschichte zwischen den beiden Teenagern aus verfeindeten Clans funktioniert - wie schon bei William Shakespeare vor 400 Jahren. "Jede Zeit braucht ihre ganz eigene Interpretation der Klassiker", sagt der australische Regisseur Baz Luhrmann dazu. Ab nächsten Donnerstag kommen Leonardo DiCaprio und Claire Danes als klassisches Liebespaar in moderner Optik in die deutschen Kinos.

    "Der Film sollte so werden, wie Shakespeare ihn gemacht hätte, wenn er Regisseur gewesen wäre: Er war ein großer Entertainer, seine Sprache war Musik", sagt Luhrmann, der bereits Opern inszenierte, Werbefilme drehte und für seinen Kinoerstling "Strictly Ballroom" weltweit beklatscht wurde, in einem dpa-Gespräch. Back to Shakespeare's roots - zurück zu den Wurzeln, könnte sein Konzept bezeichnet werden, die berühmte Liebesgeschichte unter dem Titel "William Shakespeares Romeo Juliet" in einer Art zeitgenössischer Kunstwelt anzusiedeln.

    "Es mußte heiß, sexy und gefährlich sein. Wir brauchten ein Ambiente, in dem die Bedeutung von Religion, Ehrenkodex und Gewalt glaubhaft erschien. Deshalb drehten wir in Mexico und schufen dort die Kunststadt ,Verona Beach'", erzählt der Australier.

    Neben dem 19jährigen DiCaprio, der für seine Romeo-Darstellung soeben mit dem "Silbernen Bären" der Berlinale belohnt wurde, setzte der Regisseur auf das unverbrauchte Geschicht von Claire Danes. Die 17jährige gibt sich - nicht nur im Film - ernst und selbstbewußt. "Julia ist der aktive der beiden Charaktere, sie trifft die Entscheidungen - letztlich auch für Romeo", sagt die junge New Yorkerin, die in Los Angeles lebt, im Gespräch.

    Dennoch habe ihr der Vergleich mit berühmten Vorgängerinnen wie Olivia Hussey in dem Zeffirelli-Klassiker zunächst Angst gemacht. "Ich mußte mich von all dem erst einmal befreien und dann meine eigene Julia spielen." Geholfen habe ihr dabei nicht nur das völlig andere Ambiente des Films, sondern auch die Zusammenarbeit mit DiCaprio. Aus der Ruhe gebracht habe sie der Teenager-Schwarm jedoch nicht. "Ich bin gerade frisch verliebt", erzählt sie schmunzelnd.

    Als Liebespaar auf der Leinwand sind die beiden dennoch ein Erlebnis. Viel Musik, poppige Farben und ein geradezu barockes Szenario, das vielerlei Filmgenres, Elemente aus den 50er Jahren ebenso wie Trends der späten 90er zitiert, ergeben eine freche Mischung. Julias Amme (Miriam Margolyes) wird zur spanischen Mama mit derbsten Akzent, und Pater Laurence (Pete Postlethwaite) erscheint als Hippie-Priester mit tätowiertem Kreuz auf dem Rücken. Kein Film für Puristen also, aber ein Bilderrausch, der vor allem ein jüngeres Publikum für Shakespeares zeitlose Geschichten begeistern dürfte.

    Von Andrea Barthelemy, dpa

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