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  • Kritik: Romansatire von Simone Borowiak mit guter Besetzung verfilmt

    Das ist schon ein originelles Damentrio, das sich ab dem 14. Mai für die Kinobesucher mit überladenem Auto als "Frau Rettich, die Czerni und ich" auf den Weg ins sonnige Spanien macht: Die elegante Frau Rettich, die dort ihren feurigen Traummann heiraten will; die vom langweiligen Lebensgefährten Bart frustrierte Betriebsrätin Czerni; das blind vor Verliebtheit herumstolpernde Nesthäkchen Sophie.

    Beschäftigt in einem großstädtischen Verlagshaus, verbindet die drei Frauen eine Art unzertrennliche Abneigung. Daß die Reise mehr als turbulent gerät, ist bei dieser Zusammensetzung so unvermeidlich wie amüsant.

    Der Schweizer Regisseur Markus Imboden hat die gleichnamige Romansatire von Simone Borowiak, - für manche ein Kultbuch -, zu einer hübschen, manchmal gar geistvollen Komödie gestaltet. In Iris Berben als Frau Rettich, Martina Gedeck als Czerni und Jeanette Hain als Sophie hat der Film sein darstellerisches Herzstück. Die beiden tragenden männlichen Rollen sind mit dem Komiker Olli Dittrich (Foto li) als Bart und dem smarten Beau Thomas Heinze als Sophies Schwarm treffend besetzt. Insbesondere Dittrich läßt seine albernen Auftritte mit Wigald Boning als "Die Doofen" weit hinter sich und zeigt, daß er viel mehr drauf hat als Kaspereien.

    Der auf der Leinwand debütierende Star von "RTL Samstag nacht" mimt als spießiger Schulbuchbearbeiter einen Softie, der den alten linken Idealen nur aus Trägheit treu geblieben ist. Wenn so einer ins richtige Leben hineingerät, bricht gleich alles zusammen. Und dann gibt es - insbesondere in einer aberwitzigen Raststätten-Szene - viel zu lachen. Aber Dittrich denunziert seine Figur nicht, sondern zeigt Bart als traurig-tragischen Typus aus dem Panoptikum der Spät-68er. Seine Verzweiflung ob der Untreue Czernis rührt ans Mitgefühl, seine tapsige Revanche strapaziert das Zwerchfell.

    Daneben wirken die drei attraktiven Schauspielerinnen nicht gleichermaßen unverwechselbar in ihren jeweiligen Rollen. Gewiß kann Deutschlands Männeridol Iris Berben sich nach Herzenslust austoben als die Dame mit dem abgrundtiefen Haß auf französische Liebhaber. Und die hintergründige Martina Gedeck hat jederzeit darstellerisches Format genug, um den ausbrechenden Liebeshunger der Czerni glaubhaft zu machen. Jeanette Hain, in der sich Autorin Borowiak sicherlich am besten wiederfindet, ist ein junges Mädchen von heute. Doch ist Hain etwas zu hübsch, um ihr so ohne weiteres das aufblühende Mauerblümchen abnehmen zu können.

    Was dieser sehenswerten deutschen Komödie fehlt, ist indessen eine gewisse Schärfe. Wer Borowiaks gewitzte Feder in den Jahren ihrer Tätigkeit beim Satiremagazin "Titanic" schätzen gelernt hat, dürfte geradezu überrascht sein, wie letztlich harmonisch es doch in der Verfilmung ihres boshaften Büchleins zugeht. Dies um so mehr, als Borowiak zusammen mit Hans Kantereit auch das Drehbuch verfaßt hat. Soloeinlagen vom Duo Badesalz oder Dirk Bach können nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Geschichte viel zu dünn für eine Kinokomödie ist, deren Witz der Handlung entspringen sollte.

    Wer übrigens auf Borowiak pur Wert legt, dem sei ihr neues Buch "Erste Zeile, letzte Klappe"empfohlen. Darin erzählt die Autorin gewohnt unterhaltsam, daß Drehbücher zähe Luder und die Welt des Films gar wundersam ist. Der Verlag wirbt damit, es sei das erste Buch, für das eigens ein Film gedreht wurde. Das ist natürlich so schamlos übertrieben wie manches, was auf der Reise der drei Grazien auf dem Weg nach Spanien passiert. Aber Film wie Buch beweisen, daß man auch hierzulande nicht stets unter seinem Niveau lachen muß.

    Wolfgang Hübner, AP

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