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  • Kritik: Robert Altmans neuer feiner Ensemblefilm:

    Fein abgestimmte Ensemblefilme sind das Markenzeichen des 74-jährigen amerikanischen Regisseurs Robert Altman. Sein neues Werk "Cookie's Fortune" kommt am Donnerstag in die Kinos. Mit dabei sind unter anderem Glenn Close, Liv Tyler, Julianne Moore und Chris O'Donnell.

    Warme Farben und rauchige Blues-Songs sorgen dafür, dass im Kinosaal die behäbige Atmosphäre der amerikanischen Südstaaten lebendig wird. Seinen idealen Drehort fand Altman in der Baumwollpflücker-Kleinstadt Holly Springs.

    "Wir haben 32 Häuser dort gemietet und praktisch die ganze Zeit über am Set gelebt. Das machte es den Schauspielern leichter, in ihre Rollen zu schlüpfen", erzählt der Regisseur. Die Darstellerin Liv Tyler bestätigt das: "Die Hitze verlangsamt alles. Statt dem Großstadt-Streß ausgesetzt zu sein, sitzt man abends auf der Veranda und schaut den Glühwürmchen zu. Es herrscht eine gewisse Magie - die sechs Wochen Drehzeit vergingen viel zu schnell."

    Alles beginnt mit dem Selbstmord von "Cookie" Orcutt (Patricia Neal). Die reiche Witwe lebte weitgehend isoliert, nur der treue schwarze Bedienstete Willis (brillant: Charles S. Dutton) war ihr zum Freund geworden. Als die Nichte Camille (Glenn Close) ihre tote Tante findet, beseitigt sie sofort alles, was auf deren freiwilliges Dahinscheiden hindeutet, denn so etwas darf in einer angesehenen Familie ihrer Meinung nach nicht vorkommen. Im Lauf der nun folgenden Ermittlungen wird für den Zuschauer immer unklarer, ob es sich tatsächlich um einen Freitod handelte. Vielleicht wurde Cookie auch von ihrer ordnungsbesessenen und herrischen Nichte dazu getrieben?

    Aufgrund der Faktenlage wandert natürlich Willis ins Kittchen, obwohl der Polizeihauptmann selbst sagt, dass er als Täter gar nicht in Frage komme. Eine Mördersuche ohne einen wirklichen Bösewicht weit und breit - stattdessen versammelt Altman viele liebenswert- exzentrische Charaktere: Camille hat immer ihre Schwester Cora (Moore) im Schlepptau und unter ihrer Fuchtel. Und Coras aufsässige Tochter Emma (Tyler) schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie setzt sich solidarischerweise mit in Willis Zelle und nutzt jede Gelegenheit, ihrer Leidenschaft für einen jungen Polizisten (Chris O'Donnell) nachzugehen.

    Liv Tyler erzählt im Gespräch, dass sich ihre Filmfigur von den anderen abhebt: "Inmitten all dieser verrückten Leute mußte ich es schaffen, Emma als realitätsbezogene Person zu beschreiben, die ihren Platz in der normalen Welt sucht. Nur Willis ist ihr darin ähnlich." Dass Dutton seinen Part in dieser Sozialsatire hervorragend meistert, erfüllt Regisseur Altman mit großer Zufriedenheit: "Es gibt in Kleinstädten dieser Art keinen offenen Rassismus. Dutton gelingt es, die verdeckten Unterschiede, die eine besondere Art von Spannungen verursachen, deutlich zu machen." Das Beziehungsgeflecht zwischen den Bewohnern von Holly Springs und die Geheimnisse, von denen alle wissen, über die aber keiner spricht, machen es der Polizei schwer, Cookies Schicksal zu enträtseln.

    Von Silke Weiss, dpa

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