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  • Kritik: Road Movie in der Ukraine

    Es gibt Filme, bei denen der Zuschauer sich prächtig amüsiert, streckenweise regelrecht begeistert und am Ende voll des Lobes ist. Und dann, nach ein paar Stunden oder ein paar Tagen stellt sich eine nagende Frage ein: War das eigentlich ein wirklicher guter, ein großer Film?

    So kann es einem nach «Alles ist erleuchtet» gehen, dem Regiedebüt des US-Schauspielers Liev Schreiber («The Manchurian Candidate»). Eine Geschichte, die in der Ukraine spielt, den Holocaust als Hintergrund hat und trotzdem über weite Strecken zum Lachen reizt, dass es die reine Freude ist. Und zu all dem spielt auch noch Elijah Wood die Hauptrolle: Am 15. Dezember kommt der Film in die deutschen Kinos - sehenswert ist er allemal.

    Der Streifen ist die Verfilmung des gleichnamigen und hochgelobten US-Bestsellers «Alles ist erleuchtet» von Jonathan Safran Foer. In Roman und Film ist der Autor zugleich die Hauptperson: Ein junger amerikanischer Jude, der auf der Suche nach der Geschichte seiner ermordeten Vorfahren in die Ukraine fährt. Dort trifft er auf einen verrückten, jungen Ukrainer, der ein wunderschön unbeholfenes und falsches Englisch spricht, und dessen Großvater, beide leicht antisemitisch angehaucht. In einem klapprigen Auto aus der untergegangenen Sowjetzeit macht sich das Trio auf die Suche.

    Sympathische Klischees

    Allein schon der Anblick von Elijah Wood als behütetes, gutbürgerliches, amerikanisches Jüngelchen, wie er im «wilden Osten» ankommt: Dunkler Anzug, braver Scheitel und dazu eine Brille, die aus Panzerglas sein könnte. «Sieht aus wie sein Bestattungsunternehmer», schreibt ein US-Kritiker. Und genau so vorsichtig-schüchtern benimmt er sich auch. Dagegen sein Führer Alex (Eugene Hutz): Ein Junge in Turnschuhen und mit Goldzahn, lebensschlau und durchtrieben und mit einer unstillbaren Liebe für das Konsum-Amerika, das dem Besucher eher ein Schrecken ist. Alles ist bizarr und zugleich ein bisschen dick aufgetragen, doch die Klischees sind derart sympathisch, dass man sie geradezu dankbar annimmt.

    Die verrückte Reise erzählt Schreiber im atemberaubenden Tempo, mit Witz und wundervoller ukrainischer Musikuntermalung, dass die besondere Atmosphäre dieses ganz besonderen Romans lebendig wird - zumindest ein Teil des Romans, der lustige nämlich. «Zum ersten Mal Regisseur zu sein, ist sicher nicht die angenehmste Rolle», meint Schreiber, aber das ist reine Koketterie. In dem Streifen wimmelt es von skurrilen, witzigen Zitaten, eine kunterbunte Szene reiht sich an die andere, das Ganze präsentiert der Debütant nicht nur handwerklich geschickt und professionell - der Film ist einfach exzellent gemacht. Alles ist irgendwie humoristisch verpackt und in ein mildes Licht getaucht, was freilich ewas auf die Nerven gehen kann - und auch der Haken des Films ist.

    Ein wenig ratlos

    «Der Film legt nahe, dass auch das dunkelste Kapitel der Geschichte in einem tröstenden Schein gebadet werden kann», meinte ein US-Kritiker. "Alles ist erleuchtet" ist eine freundliche Komödie des Verstehens und Vergebens im Schatten des Holocaust.» Der Film ist im wesentlichen ein Road Movie in der Ukraine, und je mehr sich das Trio der Wiederentdeckung des von den Nazis ausradierten Schtetl nähert, um so verfahrener, ungereimter und diffuser wird der Streifen. Am Ende bleibt der Zuschauer, von Witzen und lustigen Sprachverdrehern erheitert, von ukrainischer Zigeunermusik angefacht, ein wenig ratlos zurück. Ein wirklich guter Film, ein großer Film? Vielleicht eher ein großartiges Regiedebüt, das auf noch viel mehr hoffen lässt.

    dpa

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