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  • Kritik: Ritt auf der Rasierklinge

    Der schüchterne Buscapé (Alexandre Rodrigues) lebt in der "Cidade de Deus" (City of God) - einem Armenviertel von Rio de Janeiro - und träumt davon, Fotograf zu werden. Gemeinsam mit dem rücksichtslosen Dadinho (Leandro Firmino da Hora), der die Drogenhändler bewundert, wächst er inmitten von Armut, Kriminalität und Gewalt in der Militärdiktatur Brasiliens auf.

    20 Jahre später sind beide am Ziel: Buscapé ist erfolgreicher Pressefotograf, Dadinho nennt sich inzwischen Zé Pequeno und ist Rios gefürchtetster Drogenboss. Als er die Freundin des friedliebenden Mane Galinha vergewaltigen lässt, sinnt dieser auf Rache. In Rio beginnt ein offener Krieg der Drogenbanden...

    Filme über Bandenkriminalität haben immer Konjunktur

    "City of God" - nach dem brasilianischen Roman "Cidade de Deus" von Paulo Lins - zeichnet in atemberaubendem Tempo von den späten sechziger bis in die frühen achtziger Jahre die Entwicklung des organisierten Drogenhandels in der Favela Cidade de Deus nach. Den brasilianischen Regisseuren Fernando Meirelles und Katia Lund ist damit ein milieuechtes, sehenswertes Jugend-Gangsterdrama gelungen, das Vergleiche mit Quentin Tarantinos "Pulp Fiction" oder Martin Scorseses "Goodfellas" nicht scheuen muss.

    Filme über Bandenkriminalität haben immer Konjunktur. Von romantisierenden Epen wie "West Side Story" über Stanley Kubricks ästhetisierte Gewaltbilder in "Uhrwerk Orange" bis zu selbstironischen Brutalo-Orgien wie "Pulp Fiction" - zu sehr lässt sich mit dem zwiespältigen Image ebenso rücksichtsloser wie charismatischer Bosse und ihrer Gangs spielen. Und wenn ein brasilianischer Filmemacher wie Fernando Meirelles das übliche Machtspiel zwischen Armut und Ehrgeiz, Gewalt und Geld, Drogen und Sex in der pulsierenden Tropenhitze Rio de Janeiros zeigt, dann wird daraus ein cineastischer Parforceritt auf der Rasierklinge: So schnell wie die Kamera ihre Reißschwenks und Jumpcuts ausführt, so rasch rast die Handlung mit ihren Zeitsprüngen nach vorn und zurück.

    Die meisten Schauspieler fand der Regisseur in den Slums

    Regisseur Meirelles hat die meisten Schauspieler für seinen Film in den Favelas von Rio gefunden. Manche, wie Alexandre Rodrigues, haben einen Theater-Workshop in ihrer Wohngegend besucht, andere wurden eigens für den Film angelernt. "Die Zuschauer von 'City of God' sollten die Darsteller unmittelbar mit ihren Figuren im Film identifizieren", sagt Meirelles. Tatsächlich fehlen den Darstellern schauspielerische Feinheiten. Dafür haben sie aber jene schnörkellose Ausstrahlung, durch die man ihnen den Gangster von der Straße sofort abnimmt.

    Viel Lob eingefahren

    International wurde der Film für seine ungewöhnliche atmosphärische Dichte und seine fesselnde Direktheit hoch gelobt. Dass auch in "City of God" ein gewisser "Favela-Chic" als beliebtes Milieu stilisiert wird, wie manche Kritiker rügen, ist allerdings weder neu noch dramatisch. Schließlich ist der Hintergrund aktueller als einem lieb sein kann: Rio wird gegenwärtig von einer ausufernden Welle der Gewalt neuer Drogenbanden wie "Rotes Kommando" und "Freunde der Freunde" erschüttert.

    Peter Leveringhaus. ddp

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