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  • Kritik: Ridley Scotts Epos über die Kreuzzüge

    Berlin. Ein Mann, ein Schwert, eine Mission. Nach dem oscargekrönten «Gladiator» und dem antiken Rom hat sich Regisseur Ridley Scott bei seinem neuen Blockbuster-Kandidaten für Kreuzritter und das mittelalterliche Jerusalem entschieden.

    Frauenschwarm Orlando Bloom spielt in «Königreich der Himmel» den verwegenen Helden, an seiner Seite Namen aus dem Charakterfach wie Liam Neeson und Jeremy Irons. Es ist ein bildergewaltiges Epos mit vielen Kampfszenen geworden, mit einem Hauch Romantik und einer sehr plakativen Toleranz-Botschaft: Religiöse Fanatiker gab es schon immer, Krieg ist grausam.

    Opulent sind die Bilder aus dem Orient, märchenhaft die Herrscherpaläste, riesig die Heere, die Scott mit digitaler Technik auf die Wüstenhügel zaubert. Allein 15 000 Kostüme wurden für den Film gefertigt. Um zu zeigen, wie blutig die Kreuzzüge waren, lässt Scott in den Schlachten die Knochen knacken und das Blut in Zeitlupe spritzen, was nicht jedermanns Sache ist. «Krieg ist Krieg», sagt der Regisseur. Die Wirklichkeit der Kreuzzüge sei noch viel grausamer gewesen. Er hat die Zeit zwischen dem zweiten und dritten Kreuzzug gewählt, als es einige Jahre der Toleranz gab. «Mich interessiert, warum das damals möglich war und heute nicht.»

    Nicht ganz leicht entwirrbar

    Scott und sein Drehbuchautor William Monahan haben gründliche Quellenkunde betrieben. «Sie wissen nicht, wer Saladin war?», fragt der Brite in Interviewrunden und referiert mit Hingabe über den weitsichtigen moslemischen Herrscher. Auch den weisen Christen-König Baldwin IV. gab es - wie viele andere Figuren - wirklich. Im Film verbirgt sich der Leprakranke hinter einer silbernen Maske, von Schauspieler Edward Norton sieht man nur die Augen.

    Das - nicht ganz leicht entwirrbare - Epos beginnt im Jahr 1186. Balian (Bloom), ein junger Schmied in Frankreich, hat Frau und Kind verloren, als Ritter Godfrey von Ibelin (Neeson) mit seinem Tross bei ihm auftaucht - er ist Balians Vater, wie sich herausstellt. Godfrey gewinnt Balian für den Kampf um das Heilige Land. Wenig später zückt der junge Ritter zum ersten Mal das Schwert. Seine Mission: den Frieden in Jerusalem wahren, was ihm nach überstandenen Intrigen und Schlachten auch gelingt.

    Um ein ausgewogenes Bild von Moslems und Christen bemüht

    Interessant ist, wie sich Scott um ein ausgewogenes Bild von Moslems und Christen bemüht. Der aktuelle Bezug ist offensichtlich, wo doch US-Präsident George W. Bush nach den Anschlägen vom 11. September von einem «Kreuzzug» gegen den Terror sprach. Die «New York Times» gab das Script Islamkennern schon zu lesen, bevor der Film überhaupt fertig war. Scott ist sich der Verantwortung bewusst, so dass in seinem Film kein pauschales Gut und Böse zu finden ist.

    Gedreht wurde die 145-minütige Saga in Spanien und Marokko. Neben Religion und Historie spielt die Romantik eine untergeordnete Rolle, was gerade die weiblichen Orlando-Bloom-Fans bedauern könnten. Nach einer Odyssee durch Meer und Wüste begegnet Balian der märchenhaften Prinzessin Sibylla, gespielt von der 24-jährigen Eva Green, die nach Bertoluccis «Die Träumer» nun im großen Mainstream-Kino zu sehen ist. Der 28 Jahre alte Bloom («Herr der Ringe», «Troja») hat sich für den Film einige Muskeln zulegt und empfiehlt sich wieder einmal als Actionheld und möglicher neuer James Bond.

    Observer: "Leinwand-Gott"

    Rund 100 Millionen Euro hat «Königreich der Himmel» gekostet. Mit seinen Spezialeffekten, der Regieleistung Scotts und seinem Diskussionswert für das Feuilleton dürfte das Ganze ein kommerzieller Erfolg werden, auch wenn er wahrscheinlich nicht übermäßig viele weibliche Zuschauer in die Kinos locken wird. In seiner Heimat erntete «Sir Ridley» Lob: Ein «sensationeller Film», schreibt die «Times». Der Observer spricht doppeldeutig vom «Leinwand-Gott».

    dpa

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