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  • Kritik: Richter: "Geschichte basiert auf authentischen Ereignissen"

    Irritiert streicht sich der Taxifahrer (Oliver Korittke) über seinen Drei-Tage-Bart, denn der türkische Fahrgast (Ercan Durmaz), der nur ein kurzes Geschäft in einem Restaurant erledigen wollte, kehrt nicht zurück. Auf dem Rücksitz seines Wagens wartet immer noch geduldig ein kleiner Junge (Arman Inci), der kein Wort Deutsch zu sprechen scheint.

    Kurz entschlossen setzt der Taxifahrer das Kind vor einem türkischen Imbiss ab. Als er am Ende seiner Schicht entdeckt, dass der Junge dort völlig durchnässt im Regen steht, nimmt er das verschüchterte Kind bei sich auf und erfährt allmählich seine Geschichte.

    In seinem neuen Kinofilm "Eine Hand voll Gras" setzt sich der deutsche Regisseur Roland Suso Richter mit dem Schicksal eines kurdischen Jungen auseinander, der von seinem Onkel nach Hamburg gebracht wird, um dort als Drogendealer zu arbeiten. Die Vorlage zu dieser ungeschminkten Milieustudie lieferte der Schriftsteller Uwe Timm. "Die Geschichte basiert auf authentischen Ereignissen", sagt Richter. Trotz einiger Kontakte zu kurdischen Kreisen erwiesen sich die Recherchen als schwierig. "Natürlich will keiner offen zugeben, dass er mit Drogen handelt", räumt Richter ein. "Wer aber mit offenen Augen durch die Gegend geht und beobachtet, erkennt schnell, nach welchen Gesetzmäßigkeiten solche Deals ablaufen."

    Zu den größten Herausforderungen gehörte es für Richter, die passende Besetzung für die Rolle des zehnjährigen Kurden zu finden. "Diesen Part konnte nur ein Junge spielen, der sehr aufgeweckt ist und gleichzeitig jung genug aussieht. Von den 600 türkisch aussehenden Kindern, die wir uns anschauten, kamen nur 100 überhaupt in die engere Auswahl." Arman Inci, der als Sohn einer türkischen Moderatorin in Berlin aufwuchs, überzeugte durch sein hohes Maß an Konzentrationsfähigkeit. "Er besitzt das Talent", schwärmt Richter, "intuitiv auf seinen Filmpartner zu reagieren und richtig in die Rolle einzutauchen."

    Auch Oliver Korittke ("Die Musterknaben") zeigte sich von den Filmaufnahmen begeistert. "Der Unterschied beim Dreh mit Kindern ist, dass das Zusammenspiel rein aus dem Gefühl entsteht." Allerdings musste der Schauspieler für "Eine Hand voll Gras" auch einige heftige Szenen bewältigen. Die Sequenz, in der er von einer türkischen Gang zusammengeschlagen wird, brachte ihm blaue Flecken ein. "Diese Jungs haben härter zugepackt als richtige Stunt-Leute", grinst Korittke. "Für mich war das eine ganz neue Erfahrung, denn bisher habe ich noch nie einen männlichen Macho gespielt."

    Ohne in ein kitschiges Sozialdrama zu entgleiten, schildert der Regisseur hart an der Realität die Ausweglosigkeit der Situation eines Kindes, das gegen seinen Willen von geldgierigen Erwachsenen benutzt wird. Erziehungsanstalten, Polizei und Justiz scheitern. Doch im Kino siegt am Ende die Menschlichkeit.

    Birgit Heidsiek, dpa

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