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  • Kritik: Revuefilm mit Humor und Längen

    Oscar-Preisträgerin Dame Judi Dench («Shakespeare in Love»), viel trockener englischer Humor und jede Menge nackter Frauen - aus diesen Zutaten inszenierte der britische Erfolgsregisseur Stephen Frears («Mein wunderbarer Waschsalon») die Musical-Komödie «Lady Henderson präsentiert».

    Der Film beruht auf der wahren Geschichte des Londoner Windmill-Theaters, in dem Ende der 30er Jahre die erste Nacktrevue Großbritanniens gezeigt wurde.

    Die großartige Judi Dench spielt Lady Laura Henderson, die Gründerin dieses Theaters. 1937 stirbt ihr Gatte und die adlige, knapp 70-jährige Witwe will sich auf Anraten ihrer Freundin Lady Conway (Thelma Barlow) etwas Schönes gönnen. Die mit herrlichem Wortwitz gespickten Dialoge zwischen den beiden alten Freundinnen gehören zu den absoluten Highlights des Films. Kurzerhand kauft das enfant terrible der gehobenen englischen Gesellschaft ein verfallenes Theatergebäude und engagiert Vivian Van Damm (Bob Hoskins) als Manager. Amüsant ist es zu beobachten, wie sich die beiden in einer Art Hass-Liebe einander annähern.

    Als das zunächst erfolgreiche Konzept einer Non-Stop-Revue von den anderen Theatern im Westend kopiert wird und die Ticketverkäufe immer weiter zurückgehen, kommt die politisch unkorrekte Lady Henderson auf eine für das prüde England revolutionäre Idee: Den französischen Namensvetter Moulin Rouge zum Vorbild nehmend, sollen die Tänzerinnen die Hüllen fallen lassen. Mit Charme, Witz und guten Beziehungen setzt sie ihren Plan in die Tat um. Allerdings dürfen sich die Mädchen im sittenstrengen Großbritannien der damaligen Zeit auf der Bühne nicht bewegen, sondern müssen wie Kunstwerke still stehen. Dann kommen die Bombennächte - und das Windmill spielt als einziges Theater Londons weiter.

    Irgendwann im Zuge dieser Entwicklung geht dem Film der Atem aus. Akribisch um Authentizität bemüht, werden die Castings der Tänzerinnen und Sängerinnen gezeigt, die vielen Varieté-Nummern werden geprobt, dem Publikum gezeigt - und sorgen für erhebliche Längen. Es wirkt, als könnten sich die Macher nicht entscheiden zwischen Musical, Sozialstudie, Antikriegsfilm, Liebesdrama und Komödie. Regisseur Frears soll sich anfangs gefragt haben: «Und wo ist die Story?» Erstaunlicherweise ließ er sich dann aber doch vom Drehbuch begeistern.

    In «Lady Henderson präsentiert» erfährt der Zuschauer viel über das Leben und die Theaterszene in London vor und während des Zweiten Weltkriegs. Er kann sich am perfekt einstudierten 40er-Jahre-Musical-Sound des Windmill-Hauptsängers erfreuen, gespielt von Will Young, der mit «Pop Idol» berühmt wurde, der britischen Version von «Deutschland sucht den Superstar». Die Kostüme, die Ausstattung - alles überzeugt im Detail. Doch selbst die brillant besetzte Judi Dench und ihr männlicher Gegenpart Bob Hoskins können nicht verhindern, dass die Geschichte letztlich ins Belanglose, manchmal sogar ins peinlich Überzogene oder Melodramatische abgleitet.

    Sonja Puhl, dpa

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