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  • Kritik: Rentner an die Macht

    "Wer ist diese alte Frau, die in meinem Haus lebt?" Mit 66 Jahren ist Warren Schmidt gerade in den Ruhestand getreten - für seinen Geschmack viel zu früh.

    Ohne Job fühlt er sich plötzlich wie ein Fremder in seinem eigenen Leben, selbst Helen, mit der er seit 42 Jahren verheiratet ist, wird ihm nun eher lästig. Doch dann stirbt Helen unerwartet, und er muss ein völlig neues Leben beginnen. Mit welchen Schwierigkeiten dies verbunden ist, erzählt "About Schmidt", der neueste Film mit Oscar-Preisträger Jack Nicholson.

    Schnell findet Warren eine neue Lebensaufgabe: Mit allen Mitteln will er die Hochzeit seiner über alles geliebten Tochter mit einen Wasserbetten-Verkäufer verhindern. Aber schon bald muss er feststellen, dass im Vergleich zur Torpedierung der Hochzeit seine Pensionierung ein Kinderspiel war. In seinen Augen ist der Wasserbetten-Typ nämlich ein ausgemachter Prolet mit einer unmöglichen Sippschaft, allen voran Mutter Roberta (Kathy Bates), die dem Witwer an die Wäsche will.

    Nicholson - noch nie war er derart uneitel

    Hollywood-Veteran Jack Nicholson gehört zu jener Garde von Schauspielern, die im Alter reift. Der virile Sexprotz aus "Wenn der Postmann zweimal klingelt" hat die Zeichen der Zeit erkannt und sich offenbar wenigstens in seinen Filmen mit dem Älterwerden versöhnt.

    So ist die Figur des Warren Schmidt für Nicholson ein Schritt auf dem Weg der Weiterentwicklung, die sich in seiner Rolle des bedauernswert neurotischen Schriftstellers in "Besser geht's nicht" bereits angedeutet hatte. Noch nie gab sich Nicholson auf der Leinwand derart uneitel wie in "About Schmidt", und es scheint, als ob die Befreiung vom Äußerlichen auch die letzten darstellerischen Reserven des Ausnahmemimen zum Vorschein gebracht hat.

    Kleingeistig, verbittert - aber auch sehr menschlich

    Sein Schmidt ist ein kleingeistiger, verbitterter, aber eben auch sehr menschlicher Charakter, und Nicholson verkörpert ihn derart vollkommen, dass der Eindruck entsteht, Regisseur Alexander Payne und sein Co-Autor Jim Taylor ("Election") hätten ihm die Rolle auf den Leib geschrieben.

    Ihr Drehbuch zu "About Schmidt" setzt sich aus Motiven von Louis Begleys gleichnamigen Roman und einem früheren Drehbuch Paynes zusammen. Aus letzterem stammen die schönsten Momente des Films, in denen Warren Briefe an sein sechsjähriges Patenkind im fernen Tansania schreibt: Wenn er von seinem Leben erzählt, vieles beschönigt und verschweigt und dennoch zum vielleicht ersten Mal ehrlich Rechenschaft ablegt, dann entfaltet der Film seinen vollen Zauber.

    Oscar-Nominierungen für Nicholson und Bates

    Vielleicht erliegt diesem ja auch die Academy of Motion Pictures, wenn am 23. März die Oscars verliehen werden. Neben Kathy Bates, die als Beste Nebendarstellerin nominiert ist, darf Jack Nicholson auf den Preis für den Besten Hauptdarsteller hoffen, den er schon bei den Golden Globes entgegennehmen konnte.

    Nina Jerzy, ddp

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