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  • Kritik: Reisen ans Ende der Welt

    Der argentinische Regisseur Carlos Sorin erzählt in seinem dritten Kinospielfilm auf minimalistische Weise kleine Geschichten vom Alltagsleben dreier Menschen in den Weiten Patagoniens. Teilweise mit Laien gedreht, entwickelt das poetische Roadmovie einen dezent melancholischen Charme, der von Szenen leiser Komik unterstrichen wird.

    Auf den staubigen Straßen Patagoniens kreuzen sich zufällig die Wege dreier Menschen, die einander nicht kennen, aber gleichermaßen unterwegs sind in die 200 Meilen entfernte Provinzstadt San Julian. Der steinalte, aber geistig rüstige Ex-Restaurantbetreiber Don Justo sucht dort seinen vor drei Jahren entlaufenen Hund. Die junge Mutter Maria wurde für die Endrunde einer TV-Game Show ausgewählt, wo sie einen mysteriösen "Multiprozessor" gewinnen kann. Der selbstsichere Handelsvertreter Roberto will mit einer Torte in Gestalt eines Fußballs das Herz einer hübschen Witwe gewinnen, deren Sohn Geburtstag hat.

    Zärtliche Hingabe für einfache Figuren

    Vor zwölf Jahren hat der argentinische Filmemacher Carlos Sorin im Süden Argentiniens das Roadmovie "Eversmile New Jersey" mit Daniel Day-Lewis als irischem Zahnarzt gedreht, der mit dem Motorrad zu seinen Patienten in Patagonien fährt. Nach dem kommerziellen Misserfolg des Films verdiente Sorin seinen Lebensunterhalt in der Werbefilmbranche und meldet sich nun mit einer melancholischen Komödie zurück, die in der gleichen, schier endlosen Landschaft spielt.

    Wenn Sorin seine drei Protagonisten auf ihrer Suche nach dem Glück beobachtet, wird sofort seine zärtliche Hingabe für einfache Figuren spürbar. Bestechend wirken vor allem die Details, die die unspektakuläre Inszenierung so authentisch machen und zugleich für verhaltene Komik sorgen. Etwa wenn Maria den gewonnenen Multiprozessor gegen ein Schminkset eintauscht, da das Haus in ihrem abgelegenen Kaff gar keinen Stromanschluss besitzt. Oder wenn Roberto einem fetten Geschäftspartner seine Schlankmacherpflaster schmackhaft macht, der treulich versichert, ganz bestimmt nichts zu kaufen.

    Die meisten Rollen werden von Laien aus Patagonien verkörpert

    Die meisten Rollen werden von Laien aus Patagonien verkörpert, die für eine authentische Atmosphäre sorgen und meist mühelos mit den wenigen professionellen Schauspielern mithalten. Die stärkste Leinwandpräsenz entwickelt der 80-jährige Antonio Benedictis, der mit den Ohren wackeln kann und mit seiner schlitzohrigen Hartnäckigkeit an den Helden aus David Lynchs Roadmovie "Straight Story" erinnert, in dem ein Greis seine vermutlich letzte lange Reise mit einem Rasenmäher antritt. Im vergangenen Jahr gewann Sorins poetischer Film den Preis der Jury auf dem Filmfestival von San Sebastian.

    Reinhard Kleber, ddp

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