40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Reese Witherspoon bricht Herzen
  • Kritik: Reese Witherspoon bricht Herzen

    Mit «Vanity Fair» wagt Jungstar Reese Witherspoon etwas ganz Neues: Auf Komödien wie «Natürlich Blond» folgt die Verfilmung des fast 160 Jahre alten britischen Romanklassikers «Jahrmarkt der Eitelkeiten» von William M. Thackeray.

    Die US-Südstaatlerin Witherspoon spielt die Hauptrolle der Britin Becky Sharp, des armen, aber cleveren Mädchens, das um jeden Preis nach oben will. Ebenso umstritten wie die Verpflichtung einer Amerikanerin für eine der «urenglischsten» Romanfiguren war auch, dass mit Mira Nair eine Inderin die Regie übernahm. Beides brachte jedoch frischen Wind in die alte Geschichte. Nair («Monsoon Wedding») war nach «Vanity Fair» im Gespräch für die Verfilmung des fünften Harry-Potter-Romans, soll jedoch abgelehnt haben.

    Witherspoon hat sich nie ganz an die Ära der Napoleon-Kriege angepasst, in der das Buch spielt. Sie wirkt deshalb wie eine Zeitreisende aus unserer Welt in alten Kostümen. Doch gerade das macht vielleicht den Reiz des Films aus. Schließlich könne Becky Sharp als «allererste Feministin» bezeichnet werden, sagt die Schauspielerin. Denn Becky gibt sich nicht mit ihrer Rolle des unmündigen Weibes in einer von Männern dominierten Welt zufrieden.

    Mit Charme und Schlagfertigkeit

    Die 29-jährige Witherspoon, die während der Dreharbeiten zum zweiten Mal schwanger war, schafft es dabei, Becky nicht als rücksichtsloses, berechnendes Biest dastehen zu lassen. Mit Charme und Schlagfertigkeit erobert sie nicht nur die feine Londoner Gesellschaft, sondern auch die Kino-Zuschauer. Man kann sich einer Sympathie für sie nicht erwehren - auch während sie Herzen bricht. Schließlich war England zu Beginn des 19. Jahrhundert kein wirklich freundlicher Ort. Wer aus armen Verhältnissen kam, hatte kaum Hoffnung auf ein besseres Leben, und die Darstellung dessen, wie leicht man für immer ganz unten landen konnte, versöhnt einen mit den hohen Kosten der modernen westlichen Sozialsysteme.

    Die große Kunst bei der Verfilmung eines so gewaltigen Romans wie der einst in 20 Fortsetzungsteilen veröffentlichten Gesellschaftssatire von Thackeray ist es, daraus ein Drehbuch zu destillieren, dass die wichtigsten Entwicklungen behält, ohne dabei im Galopp den Geist des Buches zu verlieren. Nair verwarf die erste Drehbuch-Version und verpflichtete für einen neuen Anlauf Oscar-Preisträger Julian Fellowes («Gosford Park»).

    Glanz und Grauen

    Der mehr als zwei Stunden lange Film wirkt am Ende überraschend komplett, auch wenn viele Nuancen der Buchvorlage natürlich auf der Strecke geblieben sind und die letzte Viertelstunde etwas an einen Frauenroman im Schnelldurchlauf erinnert. Wohl bewusst bricht Nair die Erzählung vor dem eigentlichen Ende des Buchs ab - die meisten wissen sowieso, wie es ausgeht. Optisch hätte die Ära mit all ihrem Glanz und Grauen und den opulenten Kostümen kaum besser ins Bild gesetzt werden können.

    Thackeray selbst hatte ein bewegtes Leben. Geboren in Indien, wurde er mit sechs in ein Internat nach England geschickt. Er begann ein Studium in Cambridge, das er nie abschloss, häufte hohe Spielschulden an, schlug sich als Journalist durch und verlieh unter anderem dem Wort Snob seine heutige Bedeutung. Am Ende brachte er es als Schriftsteller und Verleger zu erheblichem Reichtum.

    «Vanity Fair» bleibt sein bekanntestes Buch - erstmals verfilmt 1915. Und der neue Film macht wieder deutlich, dass auch «Vom Winde verweht» letztlich nur eine Übertragung von Thackerays Geschichte auf amerikanische Verhältnisse war, wobei das Original allein schon durch seine feine Sprache deutlich eleganter wirkt.

    dpa

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Sonntag

    -5°C - 4°C
    Montag

    -2°C - 4°C
    Dienstag

    0°C - 4°C
    Mittwoch

    3°C - 6°C
    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!