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  • Kritik: Rassentrennung auf Australisch

    Drei Aborigine-Mädchen schleppen sich verzweifelt durch das karge Hinterland Australiens. Ein endloser Zaun ist die einzige Orientierung der Gejagten auf dem 1500 Meilen langen Weg zu ihren Familien. Mit "Long Walk Home" widmet sich der australische Regisseur Phillip Noyce erstmals einem authentischen Fall aus der Geschichte seines eigenen Landes.

    Einfühlsam und ergreifend schildert er das Schicksal von drei Aborigine-Mädchen, die Opfer in einem traurigen Kapitel der australischen Rassenpolitik werden, das bislang weitgehend unbekannt war.

    In Australien existierte bis in die 1970er Jahre ein Gesetz, das den Behörden erlaubte, Aborigine-Kinder und Mischlinge gewaltsam von ihren Familien und ihrem kulturellen Umfeld zu trennen. Sie wurden in staatliche Heime gebracht, um sie dort nach den christlichen Regeln der weißen Zivilisation umzuerziehen. Damit sollte der Rassenanteil der Urbevölkerung von Generation zu Generation reduziert werden. Außerdem wollte man die als minderwertig eingestuften Assimilierten als billige Arbeitskräfte in die weiße Gesellschaft integrieren. Über 100 000 Kinder wurden auf diese Weise verschleppt.

    Doch Molly will nur eines: wieder nach Hause

    Auch die 14-jährige Molly (Everlyn Sampi), ihre jüngere Schwester Daisy (Tianna Sansbury) und deren Cousine Gracie (Laura Monaghan) ereilt 1931 dieses Schicksal. Brutal werden sie ihren Müttern entrissen und in das staatliche Heim Camp Moore River gebracht - angeordnet hat dies der Chief Protector of Aborigines in West-Australien, A. O. Neville (Kenneth Branagh). Verschüchtert und verängstigt kommen die Mädchen mit den vermeintlichen Segnungen und Erziehungsmaßnahmen in Kontakt. Schnelles Anpassen ist erwünscht, wer ausreißt, wird hart bestraft. Doch Molly will nur eines: wieder nach Hause, allen Risiken zum Trotz.

    Quer durch die Wildnis gejagt

    Die drei Mädchen fliehen und machen sich auf ihren weiten und abenteuerlichen Weg quer durch die Wildnis - entlang des "Rabbit Proof Fence", eines Zauns, der das Land teilt und vor drohenden Kaninchenplagen schützen soll. Schon schnell werden sie von dem erfahrenen Spurensucher David Moodoo (David Gulpili) gejagt. Der - selbst Aborigine - kennt jeden Winkel genau und hat bislang alle Ausreißer zurück gebracht. Doch Molly führt ihn immer wieder auf raffinierte Weise in die Irre.

    Noyce lässt haarstäubende historische Tatsachen für sich sprechen

    Phillip Noyce, Regisseur so erfolgreicher Thriller wie "Die Stunde der Patrionten" oder "Das Kartell" beschreitet mit "Long Walk Home" einen neuen Weg in seiner Karriere. Mit atemberaubenden Landschaftsaufnahmen und überzeugenden Jungdarstellern schildert er einen relativ jungen Teil australischer Geschichte auf packende Weise, ohne sich reißerischer Elemente zu bedienen. Noyce lässt die Geschichte der couragierten Mädchen und der haarstäubenden historischen Tatsachen für sich sprechen und erreicht so eine starke, unaufdringliche Intensität.

    Filmmusik von Peter Gabriel steigert die Intensität

    Großen Anteil daran hat auch die Filmmusik von Peter Gabriel, der erstmals nach seinem preisgekrönten Soundtrack zu "Die letzte Versuchung Christi" wieder eine Filmmusik lieferte, die in diesem Jahr auch für einen Golden Globe nominiert wurde. Mit "Long Walk Home" und der vor kurzem in den deutschen Kinos gestarteten Literaturverfilmung "Der stille Amerikaner" ist Noyce ein überzeugender Wendepunkt in seiner Laufbahn gelungen.

    Angelika Piller, ddp

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