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  • Kritik: Rasantes Action-Spektakel übertrifft "Deep Impact"

    Eigentlich ist der knorrige Harry Stamper nur der beste Ölbohrer weit und breit. Sein größtes Glück ist es, wenn wieder einmal das schwarze Gold aus der Erde schießt. Aber nun hat er einen Job, den er sich selbst im schlimmsten Alptraum nicht hätte vorstellen können: Stamper soll mit seiner Crew aus notorischen Spielern, Weiberhelden und Steuerhinterziehern ein tiefes Loch in einen durchs All rasenden riesigen Felsbrocken treiben, um darin jene Atombombe zu versenken, die der Erde einen Totalschaden und der Menschhheit den finalen Abschied ersparen soll. Stamper hat also ein Problem. Löst er es nicht, haben alle ein Problem -ihr letztes.

    Manche Zeitgenossen können in diesen Wochen nur noch beklommen zum Sternenhimmel hinaufschauen. Denn was früher Dichterseelen zu schwärmerischen Versen inspirierte, läßt jetzt nur noch fragen: Wo ist da oben der Killer, der der Menschheit den Garaus machen will? Jedenfalls können so jene reagieren, die vor wenigen Wochen im Kino bei "Deep Impact" mitansahen, wie ein Komet von der Größe Manhattans beinahe das Ende aller Zivilisation gebracht hätte und nun in "Armageddon - Das Jüngste Gericht" miterleben, wie ein Asteroid von den Ausmaßen des US-Bundesstaats Texas alle Lebensformen auszulöschen droht.

    Als der mit ungeheurer Geschwindigkeit durchs All eilenden, wild zerklüfftete Riesenfelsen entdeckt wird, bleiben nur noch 18 Tage, um die größte aller denkbaren Katastrophen zu verhindern. In der Realität, die ein solches Schicksal unserem Planeten durchaus bereithalten könnte, wären das nur noch 18 letzte Tage zum Beten oder Sündigen. Aber Hollywood hat für solche Situationen natürlich immer eine Lösung. Und je zerstörerischer es dabei zugeht, desto eher hat sie auch den Namen Bruce Willis. Der konnte zwar nicht seine Ehe mit Demi Moore retten, soll nun aber die ganze Menschheit vorm Untergang bewahren.

    Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer, Regisseur Michael Bay, Willis sowie ein hochkarätiges Team von Darstellern und Trickspezialisten haben daraus mit 140 Millionen Dollar Etat ein Actionspektakel gemacht, das sein Eintrittsgeld allemal wert ist. Und da nun einmal, wie im Vorjahr in Sachen Vulkanausbruch, zwei Großproduktionen mit gleicher Thematik binnen weniger Wochen auf den Leinwänden zu besichtigen sind, muß deutlich gesagt werden: "Armageddon - Das Jüngste Gericht" ist in fast jeder Beziehung ein Klasse besser, härter, spektakulärer als Mimi Lederers mit faden Sentimentalitäten vollgestopftes Kometen-Melodram "Deep Impact".

    In den USA ist "Armageddon" einstweilen schwächer angelaufen als sein Konkurrent. Doch wird sich bald herumsprechen, daß die über zwei Stunden im Banne der tollkühnen Rettungsaktion der wilden Ölbohrertruppe um den von Willis verkörperten Stamper ein knackiges Kinoerlebnis sind. Denn es ist den Machern dieses bislang teuersten Disney-Streifens gelungen, die Verzweiflungsaktionen auf dem Asteroiden mit sensationeller Tricktechnik optisch glaubhaft zu gestalten. Jederzeit sieht man dem Film seine astronomischen Kosten an.

    Viel dürfte in die Stargagen investiert worden sein, ein Bruce Willis hat nun mal seinen Preis. Aber es sind auch Könner wie Oscar-Preisträger Billy Bob Thornton als Nasa-Chef oder der originelle Steve Buscemi als Superhirn, die dem Film Profil geben. Da schaden die blassen Vorstellungen von Jungstar Ben Affleck und der schönen Liv Tyler wenig, deren Liebesromanze so glaubhaft ist wie ein WM-Hattrick von Jürgen Kohler. Die wahren Helden dieses Streifens sind ohnehin die Tricktechniker und Ausstatter, deren Namen nur im Abspann zu lesen sind und ohne die doch alles nicht möglich wäre.

    Natürlich ist "Armageddon" kein Beitrag zu Leinwandkunst, vielmehr 'Achter- und Geisterbahnkino', das die Besucher ohrenbetäubend durchschüttelt, mit Ängsten konfrontiert und kaum Verschnaufpausen gönnt. Wenn das so gut und perfekt geschieht wie in "Armageddon - Das Jüngste Gericht", ist das nicht zu kritisieren, sondern zu bewundern. Und wer investiert schon 140 Millionen Dollar, um nicht mindestens 200 Millionen Dollar einzunehmen? Das hat bei "Titanic" niemand irritiert, es muß auch nun niemand stören.

    Wolfgang Hübner, AP

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