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  • Kritik: Rainer Kaufmann verarztet Nolls "Apothekerin"

    München (dpa) - Ingrid Noll hat eine besondere Vorliebe für mordende Frauen. In ihrem Roman "Die Apothekerin" läßt Deutschlands erfolgreichste Krimiautorin ihre Heldin nach Herzenslust jeden aus dem Weg räumen, der auch nur irgendwie lästig wird. 77 Wochen stand das Buch auf der Bestsellersliste. Regisseur Rainer Kaufmann ("Stadtgespräch") hat nach der skurrilen und höchst vergnüglichen Geschichte eine rabenschwarze Komödie gedreht. An diesem Donnerstag (2. Oktober) wird die hochgiftige Pille erstmals in deutschen Kinos verabreicht.

    Apothekerin Hella (Katja Riemann) kommt mit den Männern nicht so recht klar. Erst hat sie ewig gar keinen - und plötzlich drei auf einmal: den abgebrochenen Zahnmedizinstudenten und ausgewiesenen Hallodri Levin (Jürgen Vogel), dessen Freund Dieter (Richy Müller als Ex-Knasti) und den heillos naiven Familienvater Pawel (August Zirner). Klar, daß ein solches Vierecksverhältnis nicht immer reibungslos klappt. Aber Hella weiß sich zu helfen: mit einer Dosis Gift für Opas Zahnprothese, einem leichten Schubs aus dem Fenster oder auch einfach nur einer Portion Klopse mit Kapern...

    Rainer Kaufmann schlägt nach seiner leichtfüßigen Beziehungsstory "Stadtgespräch", mit der er 1995 einen Überraschungshit landete, in der "Apothekerin" einen neuen Ton an: "Es reizte mich, einen Film zu machen, wie es ihn bei uns eigentlich nicht gibt - eine abgründige Komödie, eine schwarze, boshafte Geschichte", erzählt er.

    Echte Noll-Fans müssen, wie das bei Buchverfilmungen ist, natürlich Abstriche machen. Nicht immer trifft der Film den herrlich trockenen Humor. Und durch den Verzicht auf die Rahmenhandlung des Romans fehlt der Schwebezustand zwischen Realität und Fiktion. Statt dessen legt Kaufmann bis zum lodernden Showdown ein paar zusätzliche Slapstick-Purzelbäume ein.

    Bisweilen bleibt dabei Nolls liebevoller Blick in die Seele ihrer kaputten Typen ein wenig auf der Strecke. Vor allem Katja Riemann gelingt es trotzdem, Hella eine schöne Mischung aus Skrupellosigkeit, Unschuld und Verletztheit zu verpassen. "Der Film erzählt über die Widersprüche des Menschen", sagt die Schauspielerin in einem dpa- Gespräch in München. "Mir gefällt, daß er die Zuschauer nicht mit der beantworteten Frage entläßt: Ist sie nun eine Mörderin oder nicht? Da muß jeder mit seiner eigenen Moral nach Hause gehen."

    Genau das ist es wohl, was Noll mit ihren Büchern immer wieder erreicht. Die 61jährige Autorin, die bei all ihrem Erfolg ganz "normal" und uneitel geblieben ist, hat sich immer gegen Kästchendenken und feste Schubladen gewehrt. Bei den Dreharbeiten zu dem rund 5,5 Millionen Mark teuren Streifen tauchte sie zwar gelegentlich am Set auf; eingemischt hat sie sich nie. "Der Film ist nicht - wie das Buch - mein Kind, sondern im weitesten Sinne mein Enkelkind", sagt sie.

    Von Nada Weigelt, dpa - Foto: dpa

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