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  • Kritik: Rätselhafte Reise an den Abgrund der Existenz

    Ein Mann, dessen Namen wir nie erfahren werden, macht sich auf eine Reise ins mexikanische Hochland. Er hat alles hinter sich gelassen, sein altes Leben weggeworfen. Jetzt fährt er schier endlos durch menschenleere Gegenden. Der Reisende sucht einen Ort, an dem er sich umbringen kann.

    Seltsam fatalistisch und zugleich pathetisch beginnt "Japón", der bildmächtige, faszinierende Debütfilm des 31-jährigen mexikanischen Regisseurs Carlos Reygadas - ein ebenso sperriges wie wunderbar rätselhaftes Drama, das sich allen schnellen Zuordnungen entzieht.

    Fressen und Gefressen werden ist das Gesetz dieser Leidensgeschichte

    Im Reigen der Filme aus Lateinamerika, die momentan in unseren Kinos zu sehen sind - das furiose Getto-Epos "City of God" etwa oder das skandalträchtige Priesterdrama "Die Versuchung des Padre Amaro" - inmitten dieser Filme wirkt "Japón" mit seiner meditativen Stimmung wie ein großer Außenseiter. Der Plot ist fragmentarisch: wir erfahren fast nichts über den todessüchtigen Mann, keine Vorgeschichte, kein Motiv für seinen geplanten Selbstmord. Er könnte Künstler sein, darf man vermuten, aber explizit gesagt wird es nicht.

    Mit den meist reglosen, emotionslosen Augen des lebensmüden Protagonisten lernen wir eine Welt kennen, in der es kein Mitleid zu geben scheint - die Hoffnung auf Erlösung scheint so verdorrt wie die Baumstümpfe auf der kargen Hochebene. Fressen und Gefressen werden ist das Gesetz dieser Leidensgeschichte. Einer Taube wird ungerührt der Hals umgedreht, Pferde verenden ohne Gnadenschuss - der Tod ist allgegenwärtig in dem tristen Dorf, in dem der Verzweifelte (Alejandro Ferretis) schließlich eher zufällig ankommt. Er findet Unterschlupf in der armseligen Hütte von Ascen (Magdalena Flores), einer alten, sehr frommen Witwe. Eine vorsichtige Annäherung und Freundschaft zwischen den beiden Außenseitern bahnt sich an.

    Der Film bleibt geheimnisvoll

    Carlos Reygadas hat dieses wortkarge existenzialistische Drama in einem abgelegenen Tal 200 Kilometer nördlich von Mexiko-Stadt gedreht. Hier hat er Bilder gefunden, die lange im Gedächtnis haften bleiben. Ein schwarzer Käfer krabbelt über gesprenkelte Steine, dann setzt plötzlich - wie eine Offenbarung - Regen ein. In Großaufnahmen sehen wir die Gesichter der Protagonisten, die wie wild zerklüftete Landschaften anmuten. In langen Panorama-Schwenks misst die Kamera immer wieder die Weite des Tales aus. Dazu hören wir feierliche Musik von Arvo Pärt oder Johann Sebastian Bach. Dieser Film hat eine rar gewordene religiöse Dimension, eine starke Erlösungssehnsucht.

    In einer Traumsequenz steigt eine junge Frau aus dem Meer, die alte Ascen steht am Strand. Die Frauen küssen sich. Die Begegnung bleibt rätselhaft, so geheimnisvoll wie dieser Autorenfilm. Am Ende scheint es so, als hätte Ascen ein großes Opfer dargebracht - die Hoffnung hat sich da längst in alle Winde zerstreut.

    Johannes von der Gathen, dpa

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