40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Rächer der Entehrten
  • Kritik: Rächer der Entehrten

    s sollte nur ein Dummejungenstreich sein, doch es veränderte ihr Leben: Als die vier halbwüchsigen Freunde Shakes, Michael, Tommy und John eines Tages dem Hot-dog-Verkäufer ihres Viertels seinen Stand stehlen, verlieren sie die Kontrolle über die Situation - und über den Imbißwagen, der eine Treppe runterdonnert und einen unbeteiligten Passanten zerquetscht. Die vier Kleinkriminellen sind zu Totschlägern geworden und müssen ein Jahr in einer Besserungsanstalt verbringen. Dort beginnt für sie ein bestialisches Martyrium: Regelmäßig werden sie mißhandelt, gedemütigt und vergewaltigt. Die Wärter, angeführt von dem sadistischen Päderasten Sean Nokes (Kevin Bacon), brechen Geist und Seele ihrer Opfer binnen kürzester Zeit. Und so sind alle vier für den Rest ihres Lebens nur noch psychische Wracks.

    15 Jahre später führt ein Zufall die sich fremd gewordenen Männer wieder zusammen: Tommy (Billy Crudup) und John (Ron Eldard), inzwischen brutale Gangster, treffen in einer Bar auf den alt gewordenen Nokes. Ihr tief schlummerndes, jahrelang verdrängtes Rachebedürfnis wird schlagartig wach - und kurz entschlossen erschießen sie ihren ehemaligen Peiniger vor einem halben Dutzend Zeugen. Shakes (Jason Patric), der als Journalist arbeitet, und Michael (Brad Pitt), der es zum stellvertretenden Staatsanwalt gebracht hat, erfahren von der Vergeltungstat und ersinnen einen eigenwilligen Plan, wie sie ihren einstigen Leidensgefährten das Zuchthaus ersparen können...

    Eine düstere Geschichte - düster erzählt. Regisseur Barry Levinson, der mit Filmen wie "American Diner", "Good Morning, Vietnam", "Rain Man", "Bugsy" und "Toys" schon die verschiedensten Genres bediente, schwelgt in diesem Zweieinhalb-Stunden-Epos erstmals in Seelenqual und Nihilismus. Und zwar hemmungslos: Die Bilder sind stimmungsvoll-morbide, die Kamerafahrten schleichend, und die Musik ist ein einziger Klangteppich in Moll. Doch nicht eine Sekunde lang wirkt die Dramatik des Films aufgesetzt.

    Das liegt zum einen an der komplexen, tiefsinnigen Geschichte, die auf dem (angeblich autobiographischen) Bestseller von Lorenzo Carcaterra beruht, zum anderen an den Schauspielern, die allesamt zur ersten Garde zählen. Da tummeln sich altgediente Recken wie Robert De Niro (als zweifelnder Priester), Dustin Hoffman (als runtergekommener Anwalt) und Vittorio Gassman (als väterlicher Stadtteil-Mafioso) neben angesagten Stars wie Pitt und Bacon. Und so bemerkenswerten Newcomern wie Minnie Driver ("Circle of Friends"), Brad Renfro ("Der Klient") und Ron Eldard ("Last Supper") dürfte der Film zum großen Durchbruch verhelfen. Solch ein Ensemble unter den Fittichen eines Regisseurs, der als unnachgiebiger Perfektionist gleichermaßen gefürchtet wie bewundert wird, kann nur eines zur Folge haben: Großes Kino fernab des gängigen Popcorn-Entertainments. Wer einst "Es war einmal in Amerika" liebte und keine Angst vor vielschichtigen Stories hat, den erwartet hier ein ganz besonderes Zelluloidgeschenk.

    Copyright: TV TODAY, 1997

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Redakteur

    Maximilian Eckhardt

    Mail | 0261/892743

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Samstag

    -3°C - 4°C
    Sonntag

    -5°C - 2°C
    Montag

    -3°C - 2°C
    Dienstag

    -2°C - 4°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!