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  • Kritik: Psychothriller mit übersinnlichem Flair

    Was für ein Albtraum: Alles ist vorbereitet für das Abendessen mit dem Chef und seiner Frau. Alles soll schön und harmonisch sein und der Karriere dienen. Doch dann gerät der Abend zum bitteren Ehe-Showdown der Gäste, und tags drauf bringt sich die Frau des Chefs im Haus des Gastgebers um.

    Mit dieser Schlüsselszene in Dominik Molls Film «Lemming» gleitet das friedlich-sorglose Leben eines jungen Paares langsam aber sicher in ein gespenstisches Szenario über. «Lemming» kombiniert anspruchsvolle Spannung wie bei Hitchcock mit bedrohlich-übersinnlichen Elementen wie in Filmen von David Cronenberg oder David Lynch.

    Seit drei Jahren sind Alain und Benédicte glücklich verheiratet. Alain (Laurent Lucas) ist ein Technikfreak und Erfinder, der sich in der Illusion wiegt, sein Leben voll unter Kontrolle zu haben. Benédicte (Charlotte Gainsbourg) kümmert sich zärtlich um ihren Mann und das neue Haus in nobler Hanglage einer Stadt in Südfrankreich. Aber die Idylle zeigt Risse. Als merkwürdiges Vorzeichen zieht Alain einen toten Lemming aus dem verstopften Abfluss. Die kleinen Nager aus Nordeuropa sind wegen ihrer angeblichen Massenselbstmorde legendär.

    So rätselhaft wie der Lemming ist auch Alice (Charlotte Rampling), die Frau von Alains Chef (André Dussollier). Das gemeinsame Abendessen gerät zum Fiasko. Das Industriellen-Paar erscheint viel zu spät und sichtlich verstört. Mit versteinerter Miene schikaniert Alice ihren Mann und die arglosen Gastgeber, um sich für die dauernden Seitensprünge ihres Gatten zu rächen. Am Tag danach versucht Alice zunächst erfolglos, den jungen Alain zu verführen, besucht dann die sensible Benédicte und erschießt sich im Gästezimmer.

    Was folgt, ist eine anspruchsvolle Mischung aus Psychothriller und Seelenwanderungs-Geschichte. Benédicte reagiert ausgesprochen heftig auf das Drama und scheint sich auf seltsame Art mit der toten älteren Frau zu identifizieren. Sie beginnt ein Verhältnis mit dem gar nicht traurigen Witwer. Alains heile Welt zersplittert. Was hatte Alice vor ihrem Selbstmord gesagt? «Haben sie nicht Angst vor dem Tag, an dem es weniger gut gehen wird?»

    «Lemming» erzählt im Kern über das klassische Thema eines Mannes, der nichts mehr fürchtet als Kontrollverlust und genau das erleben muss. Getragen wird der Film von seinen fantastischen Darstellern. André Dussollier steht als quasi unberührbarer und charmanter Macho in Kontrast zum verunsicherten, verzweifelten Alain. Die große, spröde Charlotte Rampling hat eine der besten Szenen ihrer Karriere und die zerbrechliche Charlotte Gainsbourg tröstet über einige Merkwürdigkeiten ihres Filmlebens als «Geistfrau» hinweg.

    «Ich denke, wir alle haben verborgene Impulse, die wir nicht kontrollieren können», sagte der französische Regisseur Dominik Moll (44) im vergangenen Jahr bei den Filmfestspielen in Cannes, wo «Lemming» uraufgeführt wurde. «Man muss sehr wachsam sein und darf niemals die verborgenen zerstörerischen Sehnsüchte, den inneren Lemming, vergessen.»

    Karin Zintz, dpa

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