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  • Kritik: Psychothriller :

    Ein schweres Unglück in der Familie, ein einsames Haus mitten im Moor, ein zunehmend herrischer Ehemann und seine verstört-ängstliche Frau - das sind die bedrückenden Ingredienzien des Psychothrillers "7 Days to Live".

    Der psychologische Horrorfilm aus dem "Haunted House Genre" kommt mit spärlichen Effekten aus. Er bezieht seine Gänsehaut-Atmosphäre fast gänzlich aus dem schaurigen Schauplatz und dem intensiven Spiel der beiden Hauptdarsteller Amanda Plummer ("Pulp Fiction") und Sean Pertwee ("Event Horizon - Am Rande des Universums").

    Die Eheleute Martin und Ellen Shaw zieht nach dem tragischen Unfalltod ihres Sohnes Tommy aufs Land, um Abstand zu gewinnen. Der Schriftsteller will wieder Ruhe für seine Arbeit finden, sie muss das Trauma des Verlusts aufarbeiten. Doch das einsame Haus auf einem alten Moorgrundstück birgt ein grausiges Geheimnis.

    Ellen bekommt halluzinative Vorankündigungen ihres eigenen Todes, die nur sie wahrnimmt: Zuerst erscheint auf dem beschlagenen Badezimmerspiegel eine Sieben, am nächsten Tag steht auf einem Straßenschild "Du hast noch sechs Tage zu leben", darauf ertönt die Todesbotschaft aus dem Radio - der Countdown für ihr Leben läuft unerbittlich ab. Während sie langsam der unheimlichen Geschichte des alten Hauses auf die Spur kommt - die irgendetwas mit dem Schicksal ehemals im Moor "hingerichteter" Schwerverbrecher zu tun hat - wird ihr Mann zunehmend aggressiv und unberechenbar.

    Man merkt dem jungen deutschen Regisseur Sebastian Niemann bei seinem Kinodebüt die Verehrung für Horrorklassiker und vor allem Altmeister Stephen King an: Viel "Shining" und ein wenig "Misery" gemischt mit der Horror-Haus-Atmosphäre von "Psycho" und einigen Effekten aus "Poltergeist". Doch der 32-Jährige erzählt seine eigene Geschichte von Tragik, Hoffnung und Todesangst in beengend düsterer und bedrückender Atmosphäre. Und er gibt offen Hinweise auf seine Anleihen: In einem Buchladen, den Ellen besucht, liegt beispielsweise eine Ausgabe von Kings "Shining" offen aus.

    "7 Days to Live" lebt vor allem von der Atmosphäre des Abgeschlossenseins. In Zeiten des häufig übermäßigen Einsatzes teurer Spezialeffekte und Ekel erregend bluttriefender Nahaufnahmen zerschmetterter Körper kommt der Streifen mit der Konzentration auf die beiden in ihrem gemeinsamen Leid gefangenen Ehepartner aus.

    Amanda Plummer brilliert in ihrer Rolle als gebrochene Frau, die den Schmerz um den verlorenen Sohn nicht verwinden kann und beinahe selbst glaubt, wahnsinnig zu sein, als sie die Todesbotschaften empfängt. Doch dann kämpft sie sich zurück ins Leben, weil es sonst den Tod für sie bedeutet.

    An ihrer Seite beweist der Brite Sean Pertwee, dass er im Ausland zu Unrecht fast unbekannt ist. Zwar fehlt ihm das wahnsinnige Augenrollen eines Jack Nicholson aus "Shining". Doch besticht er durch die allmähliche, langsame Verwandlung vom verzweifelten Vater, der seinen Sohn in seinen Armen sterben sah, hin zum besessenen Fanatiker. Das obligate Action-Finale, bei dem dann doch noch in die Trickkiste gegriffen wird und etliche Untote ihr Unwesen treiben, kann man dem ansonsten dichten und intensiven Thriller durchaus verzeihen.

    Patrick T. Neumann, dpa

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