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  • Kritik: Psychokrimi, Historiendrama und Politsatire

    Psychokrimi, Historiendrama und Politsatire - der Film "Quills - Macht der Besessenheit" vereint mit seiner raffiniert gebauten Geschichte um den berüchtigten Marquis de Sade (1740-1810) alle drei Genres.

    Der Adlige (Geoffrey Rush), nicht mehr der Jüngste, leidet. Der Chronist menschlicher Laster hält zwar nach wie vor ganz Frankreich mit seinen Schriften in Bann, doch der unermüdliche Wortartist kann nur heimlich arbeiten. Er sitzt nämlich in der Nervenheilanstalt von Charenton ein.

    Anstaltsleiter Abbe Coulmier (Joaquin Phoenix) kümmert sich rührend um den berühmt-berüchtigten Patienten, Federkiele und Papier aber stellt er ihm lediglich zu Therapiezwecken zur Verfügung. Von de Sades eifriger Buchproduktion ahnt er nichts. Ebenso wenig weiß er, dass die schöne Wäscherin Madeleine (Kate Winslet) den angejahrten Erotomanen unterstützt. Sie schmuggelt seine Manuskripte aus der Anstalt.

    Es kommt zum Eklat, als de Sades neues, wie immer anonym erschienenes Werk "Justine" den Widerwillen Napoleon Bonaparte erregt. Dr. Royer-Collard (Michael Caine) soll als neuer Anstaltsleiter den Marquis zum Schweigen bringen und bedient sich dabei brutaler Foltermethoden. Er verwandelt das bis dahin friedliche Charenton in einen Ort lodernden Wahns.

    Die weibliche Hauptdarstellerin Kate Winslet hat den Film als ein sehr riskantes Werk bezeichnet. "Ich habe vorher nicht viel über das Leben von de Sade gewusst. Aber ich wollte diesen Film machen, denn es ist wichtig, von etwas zu erzählen, das in der Geschichtsschreibung so bedeutend war", meinte sie.

    Mit seinen Stars in den Hauptrollen bringt der Regisseur Philip Kaufman exzellente Schauspielkunst auf die Leinwand. Geoffrey Rush brilliert mit einem differenzierten und kraftvollen Porträt des Marquis de Sade. Eine schauspielerische Überraschung bietet Kate Winslet als Madeleine. Mit erstaunlicher Wandlungsfähigkeit charakterisiert sie die herzensgute Landschönheit als schlichte Natur, der alles Berechnende fremd ist.

    Doug Wright hat das Drehbuch zur Kinoadaption seines gleichnamigen Theaterstücks mit Gespür für filmische Notwendigkeiten geschrieben. Kaufman bekam damit eine Chance für üppige Bilder, die jeden Anhänger opulenter Historienmalerei begeistern dürfte. Ein Schwachpunkt des Films ist allerdings das Finale, in dem sämtliche bis dahin geschickt geknüpften Handlungsstränge akribisch aufgelöst werden und die Figur des Abbe Coulmier in einer kitschigen Szenenfolge als Erbe de Sades stilisiert wird.

    Peter Claus, dpa

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