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  • Kritik: Psychokrimi aus Frankreich

    Die Kinder im Fond quengeln und nerven, die Luft ist stickig, das Ziel der nervenden Autofahrt scheint einfach nicht näher kommen zu wollen. Die Ferien für Michel und Claire fangen mal wieder gut an.

    Und wer kennt solchen Stress nicht, der unerträglich wird und sich oft nur in einer zwischenmenschlichen Explosion entladen kann? In "Harry meint es gut mit Dir" bietet sich den Genervten strahlend und sympathisch eine Wunderlösung an: Harry, reicher Schulfreund des gestressten Familienoberhaupts Michel, hat für alles eine Lösung. Nur führen seine Rezepte die biedere französische Familie an den Abgrund.

    Der französische Regisseur Dominik Moll (38), im deutschen Bühl geboren, hat in New York City sein Handwerk gelernt und macht es nun dem großen Vorbild Alfred Hitchcock nach. In dem mit komödiantischen Einlagen gespickten Thriller "Harry meint es gut mit Dir" entwickelt der Filmemacher einen Spannungsbogen, der, in aller Ruhe aufgebaut, sich auch erst am Ende des Films dramatisch schließt: In einem neuen Wagen mit Vierradantrieb und Klimaanlage fahren Michel und Claire wie verwandelt ab, als wirkten sie in einer Auto-Werbung mit. Was sich aber zwischenzeitlich abgespielt hat, füllt eine ganze Mördergrube.

    Mit dem brillanten Sergi Lopez in der Rolle des so ungemein sympathischen Harry, der für alles eine Lösung weiß, ist die Gewähr dafür gegeben, dass der Zuschauer sich erst einmal zurücklehnt, um dann umso energischer aus dem Sitz gerissen zu werden. Dieser "film noir" (Molls Lieblingsfilme: "Die Vögel" und "Shining") führt subtil an die Gewalt als Mittel der Konfliktlösungen heran. Der reiche Erbe Harry will seinem Schulfreund Michel (Laurent Luca), dessen pubertäre Schülertraktate er immer noch auswendig hersagen kann, von allem Übel befreien. Er kauft ihm ein neues Super-Auto, dann sind die nervenden Eltern verschwunden, und auch für Michels Familie hat er eine Lösung.

    "Harry meint es gut mit Dir" gehörte zu den stärker beachteten Filmen im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes und hat sich seither sehr gut in alle Welt verkauft. Zusammen mit Agnes Jaouis herausragender Gesellschaftssatire "Le gout des autres" ("Lust auf Anderes") gehörte Dominik Molls kühle Mischung aus Alfred Hitchcocks Hinterlistigkeit und Patricia Highsmiths Gespür für die Täter-Psychologie zu den wenigen preiswürdigen französischen Filmen des Jahres 2000. Ein schöner Erfolg für Moll, der zusammen mit Gilles Marchand das Drehbuch schrieb. Nach "Intimité" ("Intimität") ist es erst der zweite abendfüllende Film des 38-jährigen Franzosen.

    Zwischen dem bodenständigen Michel, der durch den Schulfreund auch seine unter dem Alltags-Schutt vergrabenen Träume wiederfindet, und dem - wie ein Kind - zu Radikallösungen neigenden Harry steht Michels Frau (Mathilde Seigner). Irgendjemand muss doch von außen beobachten, was sich da so dynamisch zwischen den Schulkameraden von damals tut. Der vor Potenz strotzende Lebemann Harry bleibt dabei zwar auf der Strecke. Er hat es aber gut gemeint - und ist darin doch erfolgreich.

    Hanns-Jochen Kaffsack, dpa

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