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  • Kritik: PsychoDuell zwischen Komponist und König

    Potsdam 1747: Erschöpft von der langen Kutschfahrt setzt sich der Komponist Johann Sebastian Bach (Vadim Glowna) im Hause seines Sohnes an die gedeckte Tafel. Zu seiner Überraschung wird er jedoch sofort in das Stadtschloss von Friedrich II. von Preußen (Jürgen Vogel) zitiert.

    Demonstrativ fordert der junge Monarch ihn auf, nach einer einfachen Melodie an Ort und Stelle eine sechsstimmige Fuge zu improvisieren. Erbost über diese Provokation, verlässt der Musiker die Audienz.

    In ihrem fantasievollen Debütfilm «Mein Name ist Bach» entfacht die Schweizer Regisseurin und Autorin Dominique de Rivaz ein spannendes, psychologisches Duell zwischen zwei Ikonen der Weltgeschichte, aus dem sich eine freundschaftliche Vater-Sohn-Beziehung entwickelt. Bei der Verleihung des Schweizer Filmpreises wurde «Mein Name ist Bach» als bester Spielfilm ausgezeichnet.

    Leben von Bach intensiv studiert

    Die Inspiration zu dieser Geschichte lieferte der Regisseurin die historisch verbriefte Begegnung zwischen dem alternden Komponisten und dem jungen König, aus der Bachs vorletztes Werk «Das Musikalische Opfer» hervorging. Gemeinsam mit ihren Ko-Autoren Jean-Luc Bourgeois und Leo Raat entwickelte sie ein Skript, dass sich diesen beiden Größen der deutschen Kulturgeschichte nähert.

    «Außer ein paar Briefen gibt es kaum etwas Persönliches, das von Bach überliefert worden ist», sagt Glowna. Um möglichst viel über diese Figur in Erfahrung zu bringen, studierte er zahlreiche Berichte von Zeitzeugen. «Bach war ein sinnlicher Mensch, der exzessiv Wein und Tabak konsumiert hat, aber mehrmals täglich aus der Haut gefahren ist», meint Glowna. «In einem beengten Lebensraum, in dem das Kindergeschrei aus der Küche drang, hat er täglich mindestens ein Stück komponiert.» Zur Vorbereitung auf seine Rolle ließ sich der Titeldarsteller am Spinett, an der Orgel und der Querflöte schulen. «Mein Coach hat mich mehrere Stunden pro Tag gedrillt.»

    Friedrich II. mit kaputtem Seelenleben

    Auch Glownas Schauspielkollege Vogel musste für den Part des Königs Flötenunterricht nehmen. «Friedrich II. zählt zu den interessantesten Charakteren, die ich bisher gespielt habe», sagt Vogel. «Er führt Krieg gegen sich selbst und isoliert sich damit von der Welt.» Der musisch veranlagte Aristokrat leidet unter einem Trauma, seitdem sein Geliebter auf Befehl seines tyrannischen Vaters hingerichtet wurde. In exzentrischen Wutausbrüchen, die sein kaputtes Seelenleben widerspiegeln, schikaniert er seine Lakaien oder die schöne Schwester (Karoline Herfurth) und verfällt dabei plötzlich von seiner gestelzten Sprache in derbe Flüche. Nur das eigenwillige Genie Bach kann er damit nicht beeindrucken.

    In «Mein Name ist Bach» zeichnet de Rivaz ein bizarres Sittengemälde der wunderlichen Welt am Königshof, ohne dabei die gängigen Klischees klassischer Kostümfilme zu bedienen. Zwischen Pomp, Puder und Perücken entwickelt die Regisseurin ein packendes Psychogramm, in dem sie zwei ausgeprägte Persönlichkeiten aufeinander prallen lässt. «Der Film ist ziemlich modern», meint Glowna, «denn Bach und Friedrich II. waren die Popstars der damaligen Zeit».

    dpa

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