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  • Kritik: Psycho-Drama im Weltraum

    Selbst Psychologe Chris Kelvin kann nicht erklären, was auf der Raumstation Prometheus im Kraftfeld des Planeten Solaris vor sich geht. Dort, wo Erinnerungen physische Gestalt annehmen und Menschen in den Wahnsinn getrieben werden. "Es gibt keine Antworten, nur Alternativen", sagt Missionsleiter Gibarian.

    Regisseur Steven Soderbergh ("Traffic") hat sich für eine fesselnde Alternative entschieden bei seiner Version von Andrej Tarkowskijs gleichnamiger Verfilmung des Science-Fiction-Kultromans von Stanislaw Lem. Geschickt verbindet er in "Solaris" ein Science-Fiction-Psychodrama im Stile von "2001 - Odyssee im Weltraum" mit einer Liebesgeschichte, die auch ohne Schmalz funktioniert.

    Fesselnde und bisweilen verstörende Geschichte

    "Liebst du mich nicht mehr? Ich liebe dich über alles." Chris Kelvin (George Clooney) sitzt in seinem kalten High-Tech-Apartment und hört die unterkühlte Stimme seiner toten Frau. Soderbergh stellt gleich in der ersten Szene klar, in welche Richtung seine "Solaris"-Version gehen soll, für die er auch das Drehbuch schrieb. "Der größte Unterschied zwischen dieser Fassung von 'Solaris', dem vorangegangenem Film und dem Roman liegt darin, dass wir Einzelheiten über die vergangene Beziehung zwischen Kelvin und seiner Frau offenbaren", sagt der Regisseur.

    So ist das fesselnde, bisweilen verstörende Drama durchzogen von Rückblicken, die dem Zuschauer die Beziehung von Chris und Rheya (Natascha McElhone) von der ersten Begegnung in der Bahn bis hin zu ihrem Abschiedsbrief nahe bringen. Und ihn verstehen lassen, in welchem Konflikt sich der freudlose Psychologe befindet, als er auf Prometheus mit einem physischen Abbild seiner Frau konfrontiert wird.

    Dem Zuschauer wird eine Menge Konzentration abgefordert

    Auf der Raumstation, zu der Kelvin reist, spielen sich merkwürdige Dinge ab: Die Crew - darunter Ulrich Tukur als Missionsleiter Gibarian - wird heimgesucht von Lebensformen, die Gestalt, Gedanken und Stimme, geformt aus den Erinnerungen der Menschen, annehmen. Bereits in der ersten Nacht erscheint dem Psychologen seine Frau, liegt plötzlich neben ihm im Bett, als sei der menschliche Tod eine überbrückbare Angelegenheit - und der verstörte Liebende läuft Gefahr, der Versuchung zu erliegen. Trotz der Warnung seiner Kollegen, keine emotionale Bindung zu den nicht-menschlichen Erscheinungen aufzubauen, glaubt Chris, mit seiner verloren geglaubten Frau einen Neuanfang starten zu können. Auf der Erde, auf Solaris oder nur in seiner Erinnerung.

    Steven Soderbergh ist mit "Solaris" nicht nur einer seiner anspruchsvollsten Filme gelungen, die der junge Workaholic je gedreht hat. Auch holte er aus dem smarten George Clooney eine beeindruckende schauspielerische Leistung heraus, der das bisweilen unspektakuläre Geschehen, umgeben von Kälte und Tristesse, meisterhaft schultert. Die zunehmend verworrene Geschichte um Realitäten, Fiktion und trügerische Erinnerungen verlangt dem Zuschauer jede Menge Konzentration ab: "Ich könnte Ihnen sagen, was hier passiert. Aber ob Ihnen das wirklich sagen würde, was hier passiert?", fragt etwa der wirre Wissenschaftler Snow (Jeremy Davies).

    Kein Film für die Masse

    Trotz des hohen Anspruchs und dem Verzicht auf jeglichen Action-Firlefanz ist Soderbergh und seinem Produzenten-Team um James Cameron ("Titanic") ein fesselndes Science-Fiction-Drama gelungen, das durch den feinfühligen Einsatz von Emotion und Tiefgang besticht - jedoch womöglich kein Massenpublikum finden wird.

    Bernhard Blöchl, ddp

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