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  • Kritik: Psychiatrie jenseits von Genie und Wahnsinn

    Claire wurde vom Blitz getroffen, erklärt ihre Schwester dem Arzt. Sie war nicht etwa plötzlich verliebt oder hatte wie aus heiterem Himmel eine gute Idee - ihr ist sprichwörtlich während eines Gewitters ein Blitz in den Körper gefahren. Äußerlich scheint alles mit der jungen Frau in Ordnung zu sein, nur ihr Gedächtnis will nicht mehr so recht. Claires "kurze Geschichte vom Vergessen" hat begonnen.

    Ist wirklich der Blitz an ihrem Zustand Schuld, oder sind dies erste Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung, an der schon ihre Mutter litt? Claire (Isabelle Carré) wird in eine kleine Spezialklinik eingewiesen. Dort begegnet sie dem wortkargen Philippe (Bernard Campan), der bei einem Autounfall Frau und Kind verlor. Allmählich entspannt sich zwischen den zwei Einzelgängern eine zarte Liebesbeziehung, die beiden neuen Lebensmut gibt. Aber Claires Krankheit schreitet unaufhaltsam fort.

    Menschen "wie du und ich" mit einem Schicksalsschlag

    In letzter Zeit haben Filmemacher einmal wieder das Thema Psychiatrie für sich entdeckt. Im Gegensatz zu "A Beautiful Mind", "Elling" und "K-PAX" konzentriert sich die französische Schauspielerin Zabou Breitman in ihrem Regiedebüt jedoch ganz und gar auf ihre Figuren, deren psychische Erkrankung sie weder zu Genies, noch Wahnsinnigen oder sonst wie außergewöhnlichen Gestalten macht. Claire und Philippe sind bloß Menschen "wie du und ich", die mit einem Schicksalsschlag fertig werden müssen.

    Balanceakt zwischen hartem Realismus und leichter Poesie glückt

    Zwar scheint es manchmal, als hätte auch Zabou Breitman nicht völlig der Versuchung wiederstehen können, sich einiger der üblichen Versatzstücke des Genres zu bedienen. Und mit einer Dauer von nahezu zwei Stunden kann von einer "kurzen Geschichte" auch nicht wirklich die Rede sein. Trotz einiger Längen vermag "Claire" dennoch zu fesseln, was zu gleichen Teilen das Verdienst der einfühlsamen Regie Breitmans, die auch das Drehbuch verfasste, und der wirklich hervorragenden Hauptdarsteller ist. Gemeinsam ist ihnen der Balanceakt zwischen hartem Realismus und leichter Poesie geglückt. Im Original trägt der Film den Untertitel "Se souvenir des belles choses" ("Sich an die schönen Dinge erinnern"). Wenn der Zuschauer das Kino verlässt, war sicherlich nicht alles "schön", was er gesehen hat. Aber er wird es nicht so schnell vergessen.

    Nina Jerzy, ddp

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