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  • Kritik: "Prinz Eisenherz" - Comic-Legende wird von Verfilmung übel zugerichtet

    Frankfurt/M (AP) "Prinz Eisenherz" ist ein legendärer Comic-Held, der seit sechs Jahrzehnten unzählige Jungen und Mädchen begeistert hat. Der tapfere Ritter, der einst der Phantasie des amerikanischen Illustrators Harold R. Fosters entsprang, ist längst eine Ikone der populären Kultur dieses Jahrhunderts wie Tarzan, der Tramp Charlie, Marilyn oder Batman geworden. Wer sich einer solchen Legende nähert, sollte ihr Respekt erweisen. Der von Bernd Eichinger produzierte Film "Prinz Eisenherz" ist jedoch von solch erbarmungswürdiger Qualität, daß man des Helden Schwert gegen seine Macher zu richten wünscht.

    Dabei haben sich der britische Regisseur Anthony Hickox und seine Drehbuchautoren bei ihrer Leinwand-Adaption des Stoffes durchaus an die bewährte Vorlage geklammert, was sie auf ungewöhnliche Weise dokumentieren: Manchmal geht die reale Spielhandlung in Zeichentricksequenzen über, die im Stil von Fosters Original gehalten sind. Die dabei entstehenden fließenden Übergänge sind gut gelungen und kann der ab dem 24. Juli in den deutschen Kinos anlaufende Streifen auf der ansonsten leeren Habenseite verbuchen.

    Aber schon die Vorstellung der Filmemacher über die Figur des Titelhelden konnte nur schiefgehen: "Eisenherz ist ein typisches Idol der Generation X, nur im Stil des Mittelalters. Er hat hochfliegende Pläne und Ideale, doch kaum eine Ahnung davon, wie er sie umsetzen kann." In Ahnungslosigkeit darüber gelassen, wie das Idol von Millionen als das der Generation X in Szene gesetzt werden könnte, agiert der junge Eisenherz-Darsteller Stephen Moyer. Nie traut man dem quirligen Jungmimen all die Heldentaten zu, die das Drehbuch ihm zu vollbringen aufträgt. Die niedliche, aber höchst unbedarfte Amerikanerin Katherine Heigl als Prinzessin Ilene wirkt keinen Deut überzeugender.

    Der renommierte britische Charakterdarsteller Edward Fox gibt einen passablen König Arthus ab. Hingegen wirkt der Deutsche Udo Kier, eigentlich ein ernstzunehmender Schauspieler, als Sligon ebenso unfreiwillig komisch wie sein Landmann Thomas Kretschmann als Thagnar. Kaum zu fassen ist, daß Produzent Bernd Eichinger seinen mit Filmen wie "Im Namen der Rose" oder "Das Mädchen Rosemarie" erworbenen guten Ruf mit einem so mißglückten Leinwand-"Eisenherz" aufs Spiel setzt.

    Nur mit Wehmut läßt sich zurückerinnern an Henry Hathaways Kinoversion von 1954 mit James Mason, Janet Leigh sowie Robert Wagner in der Rolle des unbesiegbaren Prinzen. Das war gewiß kein epochemachendes Werk, doch handwerklich gekonnt und erfreulich frei von dem Action-Gezappel der Neuverfilmung. Wenn die Werbung gleichwohl von "Action und Fantasy, Spannung und Schönheit" schwärmt, dann muß die Rede von einem ganz anderen Streifen sein als von dem "Prinz Eisenherz" des Jahres 1997.

    Vielleicht mochte sich Hickox eine Art Kino-Comic vorgestellt haben. Herausgekommen ist eine brachiale filmische Bruchlandung. Der bekennende "Eisenherz"-Fan Eichinger hat leider für dieses Mal vergessen, daß man den Helden seiner Jugend keinen Schaden zufügt, sondern dieselben in Ehren hält. Der Prinz mit der Pagenfrisur wird allerdings diesen Anschlag ebenso überleben wie all die Wikinger, Drachen und Zauberer, die ihn bislang schon aus dem Weg zu räumen versucht haben.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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