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  • Kritik: "Pretty Woman" als Panik-Braut

    1989 waren die jugendfrische Julia Roberts und der smarte Frauenschwarm Richard Gere unbestritten das Traumpaar des Jahres. Die Massen in aller Welt strömten vor die Leinwände, um die so hinreißend romantische wie charmant verlogene Lovestory der beiden in Garry Marshalls Welthit "Pretty Woman" zu bestaunen. Was lag näher, als die beiden Kinoidole abermals zusammen zu bringen, um die Kassen klingeln und die Herzen höher schlagen zu lassen?

    Doch es dauerte ein volles Jahrzehnt, bis Roberts und Gere, wiederum unter der Regie des Routiniers Marshall, gemeinsam vor der Kamera standen. Ab dem 30. September sind sie nun in dem Film "Die Braut, die sich nicht traut" zu sehen.

    Julia Roberts, die noch immer so wunderbar strahlen kann, ist diesmal keine Prostituierte mit reinem Herzen, sondern eine begehrte Ladenbesitzerin in der Provinz, die eine höchst absonderliche Eigenart pflegt: Immer wenn Maggie mit einem neuen Auserwählten vor den Altar tritt, um den Bund fürs Leben einzugehen, überkommt sie im allerletzten Augenblick Panik und sie flieht.

    Die Kunde davon erreicht sogar den abgebrühten Ike Graham, einen von Frauenliebling Gere halbwegs glaubwürdig dargestellten New Yorker Zeitungskolumnisten mit Hang zu misogynen Seitenhieben.

    Er verfasst darüber einen Sensationsbericht, in dem die nette Frau aus Maryland als "Männerfresserin" charakterisiert wird. Doch Maggie wehrt sich entschieden, Ike wird von seiner früheren Ehefrau, die sein Chef ist, sogar gefeuert. Was macht ein Schreiber ohne Job, aber mit unstillbarer Neugier? Natürlich begibt er sich in die Provinz, um sein resolutes "Opfer" persönlich kennen zu lernen. Davon ist allerdings Maggie überhaupt nicht angetan und zeigt das auch. Ike indessen schließt in der kleinen heilen Welt des Städtchens strategische Bekanntschaften, schließlich wird er auch Zeuge, wie mal wieder eine schöne Hochzeit mit der Flucht der Braut endet.

    Aber das ist ja auch irgendwie ganz gut so, denn Ike hat längst Gefallen an Maggie gefunden, und, schließlich sind wir sind im Kino, sie auch an ihm. Wie das alles endet und ob die Hochzeitsglocken klingen, ohne dass die Braut einmal mehr die Flucht ergreift, wird natürlich nicht verraten. Aber soviel ist gewiss: "Die Braut, die sich nicht traut" ist solide, nette Kinounterhaltung mit dem Gütestempel Hollywood. Die Geschichte ist recht originell, die Schauplätze liebenswert, einige Nebenfiguren, insbesondere die einmal mehr köstliche Joan Cusack, mag man ins Herz schließen. Und die Musik ist mal fetzig, mal sentimental, aber stets ein Ohrwurm.

    Nein, es fehlt an nichts. Und doch bleibt der Film ein am Reißbrett der Produzenten strategisch geplantes Erfolgsprojekt ohne den Zauber und die Emotion jener "Pretty Woman" vor einem Jahrzehnt. Das zeigt sich nirgendwo deutlicher als in dem Rollenvergleich von Marshalls Lieblingsschauspieler Hector Elizondo. Der spielte seinerzeit in unvergesslich diskret-ironischer Weise jenen Luxushotel-Portier, der dafür sorgte, dass das Strichmädchen im Hotelzimmer eines reichen Gastes nicht zum Skandal wurde. Diesmal ist Elizondo wieder dabei, jedoch in einer Rolle, in der er nichts von seinen großen Qualitäten zeigen kann.

    Das ist nicht untypisch für einen Streifen, der in den USA als einer der Sommerhits viel Geld in die Kassen gespielt hat und Julia Roberts einstweilen zur höchstbezahlten Filmschauspielerin der Welt befördert. 20 Millionen Dollar kassiert sie nun pro Film. Natürlich ist sie selbst diese horrende Gage wert, so lange das Publikum in ihre Filme strömt. Aber mit etwas Wehmut denkt man doch zurück, als die widerborstige "Braut" einst als "Pretty Woman" nicht nur Millionen verdiente, sondern auch die Massen beglückte. In ihrem neuen Film kann sie 'nur' noch glänzen. Aber so wenig ist das ja eigentlich auch nicht.

    Wolfgang Hübner, AP

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