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    Kritik: Preisgekröntes aus Kuba:

    Nirgendwo auf der Welt sind die Menschen wohl auf eine so fröhliche Weise traurig wie in Kuba. Vielleicht hat in Deutschland die aktuelle Begeisterung für Musik und Leben auf der Karibik-Insel ihren tiefsten Grund darin, dass die Fröhlichkeit der Deutschen oft so traurig wirkt.

    Es gibt also eine Art paradoxe Seelenverwandschaft, die auch einem Film zuträglich sein könnte, der aus Kuba kommt und ab dem 20. Januar zumindest in den Filmkunstkinos gezeigt wird: "Das Leben, ein Pfeifen" von Fernando Perez.

    Zu sehen ist es eine cineastische Fantasie über das Leben einiger Menschen in Havanna vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Misere des isolierten Tropenkommunismus. Perez zeigt uns mit zärtlicher Sympathie drei sehr unterschiedliche Menschen: Die rassige Ballettänzerin Mariana, die ihren Beruf so sehr liebt wie die Körper junger Männer; die verhärmte Altenpfelegerin Julia, die unter Gähnattacken leidet und bei jeder Erwähnung des Wortes Sex in Ohnmacht zu fallen pflegt; der attraktive Herumtreiber Elpidio, der fischt, klaut und mit seiner entflohenen Mutter namens Cuba hadert.

    Die achzehnjährige Bebe stellt uns diese drei Habaneros vor und stellt die dramaturgische Klammer für die Verknüpfung von Schicksalen vor, die in der Hauptstadt nebeneinander leben, aber sich nie begegnen. Mariana, Julia und Elpidio sind mit ihrem Leben und Überleben, mit ihren Problemen und Sehnsüchten vollauf beschäftigt.

    Niemand von ihnen ist ein Rebell, keiner stellt das verarmte Reich Fidel Castros offen in Frage. Aber auf ganz private Weise erzählen sie viel über den Seelenzustand des "grünen Krokodils", wie Kuba wegen seiner Gestalt und Lage im karibischen Meer genannt wird. Perez hat indessen keinesfalls platten Realismus im Sinn gehabt für seinen vielfach ausgezeichneten Film von 1997.

    Über "Das Leben, ein Pfeifen" sagt er selbst: "Er ist voll von surrealen Elementen und ein Film über meine Heimatstadt am Ende dieses Jahrhunderts, in der das Absurde wie auch das Wunderbare das alltägliche Leben bestimmen." Der 56-jährige Regisseur geht auch ästhetisch ganz eigene Wege, denn er zeigt "eine Art Puzzle, in dem Humor und Drama zusammengefügt und alle Gesetzmäßigkeiten über Bord geworfen werden." Soviel sei immerhin verraten: Wo Worte nichts mehr ausrichten oder ihren Sinn längst verloren haben, die Menschen aber weder auf die Wahrheit noch aufs Glück verzichten wollen, da hilft vielleicht wirklich nur noch: darauf pfeifen.

    Wolfgang Hübner, AP

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