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  • Kritik: "Praxis Doktor Hasenbein" ist der dritte Film mit dem absurden Humor des Komikers

    Köln (AP) Besuche beim Arzt dauern manchmal lang. Ein Besuch in der "Praxis Doktor Hasenbein" - so heißt der neue und dritte Film von und mit Helge Schneider, der am 30. Januar in die Kinos kommt - dauert 94 Minuten. Ein Tip vorweg: Kinobesucher sollten sich darauf einstellen, daß die ersten 45 Minuten die besten sind. Da ist der Film eine liebevoll ausgestattete "Milljöh"-Studie, im Mittelpunkt die Praxis, vollgestopft mit Medikamenten und Gelsenkirchner Barock, ein merkwürdiges Waisenhaus und ein Kiosk mit Zeitungen und Zigaretten.

    Da weht ein Hauch von "Smoke" durchs Kino, verfeinert mit Schneiders Sprachwitz, der Alltagsbanalitäten zu entlarvenden Dialogen drechselt. Der Hauptdarsteller: "Da hat der Film Vorbildcharakter; Rauchen ist ungesund."

    Lauter schräge, schrille Typen bevölkern die kleine Straße, die in einem gemalten Straßentunnel verschwindet. Die Frauen werden fast alle von Männern gespielt, genau wie Doktors dicker Sohnemann. Das alles ist absurd, köstlich, lustig. Der Doktor, ein "Alles-Arzt", ist die zentrale Figur. Der schluckt die Pillen selber und bietet Amputationen zum Schnupperpreis an.

    Natürlich hat sich Schneider gründlich auf diese Rolle vorbereitet: "Als ich eine Augenoperation hatte, war ich zwei Monate unter Ärzten. Ich weiß, wie des zugeht." Der Doktor verfällt immer wieder in einen Sekundenschlaf und tritt auch schon mal einen Hamster tot. Notfälle sucht er mit seinem Moped heim - "ohne Blaulicht, das wär' zu teuer gewesen. Man muß ja nicht alles zeigen", erklärt der Komiker seine Filmphilosophie. Dafür darf seine eigene Standuhr als Requisite mitspielen.

    Diese ersten 45 Minuten sind das Beste, was Schneider bis jetzt ins Kino geliefert hat. Danach gibt es noch ein paar musikalische Delikateß-Häppchen: Schneider als Saxophonspieler und das Endlos-Lied "Fitzefitzefatze" könnte durchaus ein Sommerhit werden. Doch zerfranst die zweite Hälfte unentschlossen zwischen Musikfilm, Kriegsklamotte, Kulturkritik auf Stammtischniveau und lustloser Gegenwartssatire. Das ist harter Tobak, nur noch für echte Schneider-Fans tragbar. Vielleicht hätte Schneider doch darauf achten sollen, daß das Drehbuch für die "Paar-Millionen-Produktion" am Ende nicht dieselben 100 Seiten dick war wie zu Beginn der Dreharbeiten.

    Ach ja, die Handlung: Ein Doktor schützt seinen Sohn vor den Mißhandlungen durch Waisenkinder, muß in den Krieg und kehrt nach 30 Jahren in die kalte Gegenwart zurück. In der Tat, ein lehrreicher Film, der zum Nachdenken anregt, wie der Nachspann empfiehlt. Worüber? Über "Praxis Bülowbogen"!

    Von AP-Mitarbeiter Jürgen Schön

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