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  • Kritik: Porträt einer Ikone mit Gwyneth Paltrow

    Sie gilt längst als Ikone der modernen Literatur, Sylvia Plath (1932-1963), geboren in den USA, früh vollendete Lyrikerin und ironische Intellektuelle, Ehefrau und Mutter, ebenso geniale wie todessüchtige Dichterin. Mit 30 Jahren macht die schwer Depressive ihrem Leben ein Ende. Über den posthum erschienenen Lyrikband «Ariel» schrieb ihr Freund und Mentor Robert Lowell: «Das sind Gedichte, die Russisches Roulette mit sechs Patronen im Lauf spielen.»

    Ein Leben wie ein Vabanquespiel. Immer schwebend über dem Abgrund. In dem stark autobiografisch gefärbten Gedicht «Lady Lazarus» gibt Sylvia Plath ungeschminkt Auskunft über sich: «Sterben/ist eine Kunst, wie alles./Ich kann es besonders schön.»

    Die neuseeländische Regisseurin Christine Jeffs, die bereits mit ihrem Debütfilm, dem Pubertätsdrama «Rain» (2001) überzeugte, entwirft in «Sylvia» das lebendige Porträt dieser faszinierenden Frau. Entstanden ist keine philologische Fleißarbeit, keine pedantische Recherche, sondern ein durchaus subjektiv gefärbter Blick auf eine Autorin, der in dieser Welt am Ende nicht mehr zu helfen war.

    Wie eine Nussschale auf den Wellen

    Christine Jeffs und ihr Drehbuchautor John Brownlow konzentrieren sich auf die längst legendäre Beziehung zwischen Plath (Gwyneth Paltrow) und dem Dichter Ted Hughes (Daniel Craig). 1956 lernen sich die beiden in Cambridge kennen, zwei glühende, enthusiastische, hoch begabte Poeten. Ein Traumpaar. Sie rudern auf dem Fluss und lesen den Kühen auf dem Feld Oden von Chaucer vor. Nach einigen Monaten wird geheiratet.

    Den nächsten Sommer verlebt das Paar an der amerikanischen Atlantikküste im idyllischen Cape Cod. Sylvia kann nicht schreiben, fühlt sich provoziert von Teds unbekümmerter Art. Die Bilder im Film erinnern ein wenig an die melancholischen Tableaus eines Edward Hopper. Einsame Frau am Schreibtisch, Stillleben mit Büchern, der Blick auf die Dünen und den menschenleeren Strand. In einer Szene fahren Sylvia und Ted mit dem Ruderboot hinaus aufs Meer. Die prekäre Lage dieser Ehe tritt im wie eine Nussschale auf den Wellen tanzenden Boot zu Tage. Etwas Furchtbares wird passieren. Während der Fahrt zitieren sie Verse aus Shakespeares «Der Sturm». Der Schiffbruch ist nicht mehr weit.

    Dem Wahnsinn nahe

    Gwyneth Paltrow hat sich mit Haut und Haaren in dieses Drama einer existenziellen Selbstentblößung versenkt. In einer Liebesszene sieht man jede Pore auf ihrem Gesicht. Ein mutiger schauspielerischer Kraftakt. Man merkt es Gwyneth Paltrow in fast jeder Einstellung an, dass diese Rolle eine Herzensangelegenheit für sie ist. Auch Daniel Craig überzeugt als vitaler Poet und Ehemann, der letztlich keinen Zugang mehr zu Sylvia findet und Trost bei einer anderen Frau sucht.

    Nach ihrer Rückkehr nach England lebt sich das Paar immer mehr auseinander. Sylvia wird von krankhafter Eifersucht geplagt. Sie bringt zwei Kinder zur Welt, aber dies kann ihre Ehe nicht retten. Am Ende bleibt sie allein, dem Wahnsinn nahe. In wenigen Wochen entstehen in einem Schaffensrausch die letzten Gedichte. In diesem Winter wirkt Sylvia dann wirklich wie der Luftgeist Ariel - eine ätherische Seherin aus einem Reich der Trugbilder.

    dpa

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