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  • Kritik: Popstar rettet schwülstige "Evita"

    Hamburg (dpa) - Ein ganzes Land erstarrt in Entsetzen. Mit der unendlichen Trauer der Argentinier um ihre tote First Lady Eva Peron im Juli 1952 beginnt Alan Parkers "Evita"-Film, der an diesem Donnerstag den deutschen Kinos anläuft.

    Der amerikanische Regisseur setzt damit den Mythos Evita an den Anfang - ihre Gestalt hat wenig von ihrer Anziehungskraft eingebüßt. Noch heute wird sie in ihrem Land wie eine Heilige verehrt, zu Filmbeginn füllen sich die Gazetten mit Evita-Storys, Bücher über die "Bannerträgerin der Hemdlosen" erscheinen. Knalleffekt des Ganzen ist jedoch die Tatsache, daß die "mythische" Evita von einer Ikone der 90er verkörpert wird: Ohne Popstar Madonna in der Hauptrolle gäbe es weit weniger Rummel um die schon lange geplante Verfilmung des Erfolgsmusicals.

    Von Streit waren die Dreharbeiten begleitet. Viele Argentinier empfanden es als Skandal, daß die engelhaft anmutende, tiefreligiöse Eva Duarte de Peron von der stets für Skandale sorgenden Popdiva gespielt werden sollte. Sex-Symbol Madonna hat dennoch alles auf diesen Part gesetzt, als sei er die Rolle ihres Lebens. Wie sie später erzählte, "missionierte" sie sogar den kritischen argentinischen Präsidenten Menem für den Film.

    Und dem Musical-Komponisten Andrew Lloyd Webber gegenüber will sie die Evita-Gestalt gerettet haben. "Webbers Blickwinkel war der der damaligen argentinischen Aristokratie. Die hielten sie für eine opportunistische Hure, die sich ihres Charmes bediente, um an die Spitze des Staates aufzusteigen", sagte sie in der französischen Ausgabe der Zeitschrift "Elle".

    In Parkers Film spielt sie Eva als romantisches Mädel aus der Provinz, das mit Hilfe einiger Männergeschichten zur bekannten Schauspielerin avanciert. Nie vergißt sie ihre ärmliche Herkunft. Die Begegnung mit dem 24 Jahre älteren Oberst Peron 1944 wird zum Wendepunkt. Eva engagiert sich fortan politsch, verhilft mit ihrem Charisma dem künftigen Ehemann zur Präsidentschaft und engagiert sich für die Armen. Während ihr Mann Aufstände niederschlägt, weiht sie Waisenhäuser ein, sorgt für Mindestlöhne und Frauenwahlrecht und wird in Europa sogar von Papst Pius XII. persönlich empfangen.

    Parker hat auf historische Korrektheit geachtet und stellt die Ambivalenz der Hauptfigur heraus. Einerseits verehrt die gebeutelte Bevölkerung Evita als Lichtgestalt, andererseits stellt sie auch eine Art Feigenblatt für das zunehmend diktatorische Peron-Regime dar. Doch die bizarre Mischung aus Geschichtsdrama und komplett gesungenem Musical verleiht dem Film ein schwer zu ertragendes Pathos. Steif wirkt Peron-Darsteller Jonathan Pryce trotz der verblüffenden Ähnlichkeit mit seinem Vorbild. Und die Rolle des Kommentators aus dem Volk Che - wohl eine Anspielung auf den Revolutionär Che Guevara - hat etwas Absurdes. Da kann auch Latino-Beau Antonio Banderas nichts retten.

    Erfreulich im dem ganzen Schwulst ist nur die Hauptdarstellerin Madonna. Als Schauspielerin bisher nicht übermäßig erfolgreich, kann sie ihr ganzes Können als Sängerin einsetzen. Zugute kommt ihr die komplette Identifikation mit der Rolle. Erst propagierte sie den Evita-Look mit hochgestecktem Haar, nach der Geburt ihrer Tochter Maria Lourdes scheint sie ihre Affinität zur katholischen Religion zu entdecken.

    Bisher geht die Gleichung auf: Die Musikvideos schlagen ein, bei den Modedesignern ist eine regelrechte Evita-Manie ausgebrochen. Auch die blonde Chignon-Frisur soll ein Hit zu werden. Sogar Evita- Kosmetik wurde lanciert. Madonna kann triumphieren. Zumindest bis der nächste Rollenwechsel ansteht.

    Von Stefanie Schütte, dpa

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