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  • Kritik: PopKönigin: Sofia Coppolas «Marie Antoinette»

    Meterhohe Turmfrisuren und Orgien der Verschwendung zu treibender New-Wave-Musik: In dem Film «Marie Antoinette» zeigt die amerikanische Regisseurin Sofia Coppola eine moderne Sicht auf die junge Königin, die 1793 während der Französischen Revolution geköpft wurde.

    Nach ihrem lakonisch-reifen Hit «Lost in Translation» zieht die 35 Jahre alte Tochter von Francis Ford Coppola jetzt die «Mädchenkarte» und schwelgt in Luxus und Seide am Original-Drehort im Schloss von Versailles.

    «Die Leute haben kein Brot? Sollen sie doch Kuchen essen.» Diesen unwiderstehlich naiven Satz hat Marie Antoinette nachweislich nie gesagt. Das falsche Zitat kommt auch gar nicht vor in Coppolas Film. Und doch wartet man immer auf die entlarvenden Worte. Denn «Marie Antoinette» zeichnet ein sagenhaft prunkvolles Gemälde vom Leben am Hofe, für dessen Prachtentfaltung das Volk hungern musste. Sucht nach Schönheit und Verschwendung paaren sich mit hier mit Intrigen und rauschhafter Oberflächlichkeit.

    Basierend auf der Biografie von Antonia Fraser zeichnet Coppola das Bild eines Mädchens, das sich «zur falschen Zeit am falschen Ort befand». Schlecht vorbereitet wird die naive Prinzessin Marie Antoinette (Kirsten Dunst) aus Gründen der «Staatsräson» als 14-Jährige von ihrer Mutter Maria Theresia aus Wien nach Frankreich verschickt. Dort soll sie mit Louis XVI. (Jason Schwartzman) einen Thronfolger produzieren. Doch sowohl das Leben innerhalb der strengen Regeln des französischen Hofes als auch die schlichte Fortpflanzung gestalten sich schwierig.

    Marie Antoinette wird abgewiesen von weiten Teilen der höfischen Gesellschaft - und Louis ist nicht an ihr interessiert. Er geht lieber jagen. Auf eine Art, die für reiche Mädchen typisch ist, kompensiert Marie Antoinette ihren Frust: Als Paris Hilton des Rokoko kauft sie ein Seidenkleid nach dem anderen, lässt sich immer neue und aufregendere Perücken entwerfen und feiert mit ihren wenigen Vertrauten Dauerpartys mit Champagner im Glas und Baiser-Pyramiden auf dem Tisch.

    Nach der Geburt des ersten Kindes geht es mit den klassischen Strategien zur Vermeidung von Langeweile weiter: Ein neues Häuschen muss her, «ganz naturverbunden» im Park des Schlosses, nach eigenen Entwürfen und erlesen ausgestattet.

    40 Millionen Dollar hat der Film gekostet, im Budget inbegriffen sind auch Dutzende Paar Schuhe von Kult-Designer Manolo Blahnik. Coppolas Werk ist sinnlich, sexy und oberflächlich wie ein langer Video-Clip. Historische Hintergründe interessieren da wenig, die Französische Revolution kommt nur am Rande vor.

    Der Film endet mit der Gefangennahme des Königspaares, das am 16. Oktober 1793 geköpft worden ist. Schade, dass «Marie Antoinette» an der zuckrigen Kruste des eigentlichen Dramas kleben bleibt. Dass es der Titelheldin irgendwie an Schicksal fehlt, liegt vor allem an Kirsten Dunst. Die Amerikanerin bleibt stets das patente Mädchen aus «Spiderman». Auch als politisch missbrauchte und verunsicherte Marie Antoinette verjagt Kirsten Dunst alle Ängste und Schrecken mit einem unpassend frischen Cheerleader-Lächeln.

    Karin Zintz, dpa

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