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  • Kritik: Pop-Film: Til Schweiger Regiedebüt

    Er klopfte an die Himmelstür zum Kinoerfolg - und mit "Knockin' On Heavens Door" wurde sie ihm als Schauspieler und Produzent aufgetan. Jetzt hat Til Schweiger, 34 Jahre alt und populärster Star des deutschen Films, noch eins draufgesetzt: Nicht nur Hauptrolle und Produktion, sondern erstmals auch die Regie gehen in "Der Eisbär" auf sein Konto. Herausgekommen ist eine Mischung aus Actionstreifen, Komödie, Musikfilm und Liebesstory - natürlich verziert mit dem typischen smarten Schweiger-Lächeln.

    Da ist dieser Blick, der ihn schon zu seinen "Lindenstraßen"- Zeiten bekannt gemacht hat: Die Stirn leicht in Falten gelegt, die Augenbrauen hochgezogen, der linke Mundwinkel ebenfalls. Auch als "Eisbär" präsentiert er diesbezüglich keine Überraschungen. Als Auftragskiller, der den Falschen umgenietet hat und nun dafür mit seinem eigenen Leben bezahlen soll, hat er zwar eigentlich wenig zu lachen, doch für ein Lächeln reicht es allemal. Besonders, wenn eine charmante Frau (Karina Krawczyk), die als Fahrerin eines bombenpräparierten Mercedes ebenfalls ihren Auftrag vermasselt hat, in der Schmuddelkneipe am Tresen neben ihm sitzt.

    Das Geflecht der Geschichten rankt sich um diesen alten Mercedes: Zwei Jungs (Benno Fürmann und Florian Lukas) stehlen das Gefährt und streifen damit durch die Nacht - nicht wissend, daß im Kofferraum eine Bombe tickt. Polizisten einerseits und Gangster andererseits heften sich auf ihre Spur, bis es just vor der Eckkneipe, in der der "Eisbär" und die rothaarige Schöne sich bei Tequila, Schlagermusik und minderwitzigen Eisbärchen-Witzen verlieben, zu einem turbulenten Showdown kommt. Den sah man jüngst jedoch bereits ähnlich in dem Film "Face Off - Im Körper meines Feindes" von John Woo. Überhaupt birst der Film vor Zitaten - vom Pistolen-Rauch-Intro in James-Bond-Manier bis hin zum ebenso sympathisch-eloquenten wie eiskalten Killer, wie ihn Quentin Tarantino in "Pulp Fiction" feierte.

    Und auch der Mercedes im Mittelpunkt erinnert - wenngleich nicht in Babyblau - an Schweigers Produzentendebüt. "Es gibt einige Parallelen zwischen dem 'Eisbär' und 'Knockin'", sagt Schweiger im Interview. Lässig zurückgelehnt, im modischen Sakko überm T-Shirt, legt er dennoch Wert darauf, daß der "Eisbär" im deutschen Film etwas ganz Neues sei: "So etwas gab es bei uns noch nicht." Und das Pflänzchen deutscher Film müsse man pflegen.

    Nach seiner weniger erfolgreichen Stippvisite in die USA - auch sein jüngster US-Film "Punk!" wurde nur mäßig aufgenommen - hat es den deutschen Star für ein Intermezzo zurückgetrieben. "Deutschland ist mein Markt und meine Heimat." Doch nach seinem kometenhaften Aufstieg seit dem "Bewegten Mann" in den vergangenen fünf Jahren scheint er zu ahnen, daß auch hier Neues von ihm gefordert wird. So wirkt Schweigers Regiedebüt wie der Versuch, sich selbst noch perfekter ins Licht zu setzen.

    "Es ist sehr ermüdend und anstrengend", sagt er über die Dreifachbelastung vor und hinter der Kamera. Dennoch - im Team habe man die nur 26 Nächte dauernden Dreharbeiten gut gepackt. Schweiger hatte alles in der Hand - allein trägt er nun auch das Risiko, ob das Publikum seinen Versuch eines mit viel Sound aufgemixten Pop-Films goutiert oder sich vielleicht doch langsam am Schweiger-Blick müde gesehen hat.

    Andrea Barthelemy, dpa

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