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  • Kritik: PolitThriller gegen die Regeln des Genres

    Die Münchner haben von diesem Film nichts zu befürchten: Steven Spielberg (58) wirft in «München» keinen kritischen Blick auf die eklatanten Sicherheitspannen und das Informationschaos während des palästinensischen Anschlags auf die israelische Mannschaft während der Olympischen Spiele 1972.

    Für den amerikanischen Juden Spielberg ist das Drama im Olympiadorf und auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck Anlass, die Eskalation von Gewalt im Nahost-Konflikt zu erforschen. Herausgekommen ist ein politischer Thriller, der mit den Regeln des Genres bricht: Es gibt keine Überraschungen. Es gibt im Prinzip auch keine Guten und keine Bösen. Alle sind an einem einzigen großen Unrecht beteiligt, das sich Vergeltung nennt.

    Mit dem Eindringen der Terroristen ins Münchner Olympiadorf und dem Überfall auf die Israelis beginnt der Film. Weitere Stationen des Massakers werden in sehr authentisch wirkenden Rückblenden erzählt. Die Haupthandlung zeigt die Folgen des Anschlags: Der israelische Geheimdienst Mossad schickt ein Killer-Kommando los, um all jene Palästinenser der Organisation «Schwarzer September» zu töten, die für die Toten von München verantwortlich gemacht werden. Eine Telefonbombe in Paris, ein Anschlag in Beirut, Schüsse in Spanien. Die jüdischen Vollstrecker arbeiten effizient und erfolgreich.

    Doch vor allem ihr junger, patriotischer Anführer Avner, gespielt von Eric Bana («Troja»), wird zunehmend von Zweifeln geplagt. Er tötet, aber er verliert dabei nicht nur in seiner Gruppe einen Mann nach dem anderen, sondern auch ein Stück seiner eigenen Seele. Mit jedem Mord, das spürt Avner, wird er seinen Feinden ähnlicher. Jeder weitere Tote steht als Hindernis vor einer friedlichen Lösung. Und Avner bekommt Angst, panische Angst, weil in der zynischen Rache-Logik beider Seiten die Jäger immer auch zu Gejagten werden.

    Natürlich zieht Spielberg alle Register seines Könnens als Regisseur. Selbstverständlich sind alle Rollen fantastisch besetzt. Neben Eric Bana, der als Einziger im Team wirklich Facetten zeigen darf, sind unter anderem der künftige James-Bond Daniel Craig, der Deutsche Hanns Zischler und der Franzose Mathieu Kassovitz im jüdischen Todeskommando dabei. Sie bilden bei ihrem Europatrip von einer Racheaktion zur nächsten eine Art Familie, kommen sich bei selbst gekochten Festessen näher und lassen jeweils ganz eigene Geschichten und Motive erkennen. Der Australier Geoffrey Rush brilliert als verschlagen-schlauer Kontaktmann beim Mossad.

    Das Drehbuch basiert auf dem Buch «Vengeance» von George Jonas - und auf den realen Ereignissen selbst. Denn dass es einen blutigen Rachefeldzug Israels gegen die Drahtziehern von München gegeben hat, ist unbestritten. Es ist die archaisch anmutende Gnadenlosigkeit im Nahost-Konflikt, gegen die sich Spielberg mit seinem Film wendet. «Der größte Feind sind nicht die Palästinenser oder die Israelis», sagte er dem amerikanischen Magazin «Time». «Der größte Feind ist die Unnachgiebigkeit.»

    Der Film tut sein Mögliches, um die Fronten aufzuweichen. Fast wortgleich sagen Avners jüdische Mutter und ein Araber, der kurz darauf ermordet wird, in verschiedenen Szenen: Bei all dem Blutvergießen gehe es doch im Prinzip immer nur «um einen Ort zum Leben». Raffiniert inszeniert sind die Action-Szenen: Gegen Ende werden sich die Einsätze der israelischen Rächer und die Rückblenden auf die Terror-Taten von München stilistisch immer ähnlicher.

    Doch vielleicht hat sich Spielberg, der mit dem Drama «Schindlers Liste» einen der besten Filme über den Holocaust gedreht hat, zuviel dabei gedacht: «München» funktioniert hervorragend als Psychostudie über politische Überzeugungstäter. Aber der Wunsch, all den Opfern auf beiden Seiten gerecht zu werden, erstickt die Spannung im Keim.

    dpa

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