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  • Kritik: PolitSatire aus der USProvinz

    Stellen Sie sich vor, Helmut Kohl geht nach der verlorenen Bundestagswahl 1998 nach Oggersheim und will dort Chef der Freiwilligen Feuerwehr werden. Eine recht lustige Film-Idee vielleicht - nur, dass sie außerhalb Deutschlands an Brisanz verliert.

    Genau das ist das Handycap des Films «Willkommen in Mooseport»: Eine Komödie über einen gerade aus dem Amt geschiedenen US-Präsidenten, der mit allen Mitteln versucht, Bürgermeister einer kleinen Provinzstadt zu werden, ist für Amerikaner sicherlich deutlich spannender als für Zuschauer anderer Länder. Ganz amüsant ist die Geschichte aber trotzdem.

    Einen guten Teil trägt dazu Gene Hackman als US-Präsident Monroe Cole bei, der «größte seit Kennedy», wie es immer wieder heißt, Spitzname «Eagle» (Adler). Eigentlich will er sich nur inmitten eines gnadenlosen Scheidungskrieges in die kleine Provinzstadt Mooseport zurückziehen, um von dort aus ein ruhiges Leben mit Vortragsreisen und hoch dotierten Aufsichtsratsmandaten zu führen, aber es kommt anders. Kurz vor seiner Ankunft stirbt der dortige Bürgermeister, der wie immer ohne Gegenkandidaten zur Wiederwahl antrat. Und die Einwohner verfallen der Schnapsidee, den Job dem größten Sohn der Stadt, Ex-Präsidenten Monroe «Eagle» Cole anzubieten.

    Eigentlich will Cole nur der netten Tierärztin Sally imponieren, und außerdem könnte seine Frau keine Ansprüche auf sein Mooseport-Haus erheben, wenn es eine offizielle Residenz wäre. Darüber hinaus ist es ein sicheres Rennen ohne Gegenkandidaten - und eine schöne Geste, wenn ein Präsident nicht aufhören kann, dem Volk zu dienen, wo auch immer er ist.

    Zwei entscheidende Sachen weiß er aber noch nicht: Inzwischen hat sich auch der örtliche Klempner Handy Harrison aus Hilfsbereitschaft für eine Kandidatur breitschlagen lassen, und - schlimmer noch - Sally ist dessen Freundin. Die schöne Geste wird zum PR-Desaster - schließlich macht sich ein Ex-Präsident nicht gerade zum Helden, wenn er einen kleinen Klempner platt macht. Der Wahlkampf gerät zu einer Schlacht um die Macht und das Mädchen.

    Gene Hackman glänzt als eleganter, arroganter Fiesling. Regisseur Donald Petrie verpasste ihm aber eine Art gespaltene Persönlichkeit, denn der prinzipienlose Politiker soll als amerikanischer Präsident im Inneren einen guten Kern haben. Ein weitere Attraktion ist auch die vor allem als Dr. Abby Lockhart in der Serie «Emergency Room» bekannte Maury Tierney, die Sally eine entwaffnende Mischung aus Intelligenz und Verwundbarkeit verleiht. Der Klempner Handy ist die erste Filmrolle des amerikanischen TV-Komikers Ray Romano («Alle lieben Raymond»).

    Für eine Polit-Satire, die im Jahr der US-Präsidentenwahl in die Kinos kommt, ist «Willkommen in Mooseport» aber ganz schön unpolitisch und harmlos - keine aktuellen Bezüge, keine böse Kritik, eher eine gut gemeinte Komödie darüber, was passiert, wenn die Mächtigen dieser Welt von ihrem Olymp steigen. Und der Film greift tief in die große Stereotypen-Kiste: Die kleine, heile amerikanische Provinzwelt könnte aus alten TV-Serien wie «Lassie» stammen, Sally will unbedingt von Handy geheiratet werden, die Präsidenten- Leibwächter sind dümmer als Brot, und «Eagles» Sekretärin ist ihm treu ergeben und heimlich in ihn verliebt.

    dpa

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